Scherenschnitt (Shear Slitting) bezeichnet ein rotatives Längsschneidverfahren, bei dem zwei gegenläufige, sich leicht überlappende Rundmesser – ein oberes (male knife) und ein unteres (female knife) – wie eine Schere wirken und eine breite Materialbahn in schmalere Streifen zerschneiden. Die Materialtrennung erfolgt dabei ausschließlich durch Scherbeanspruchung im Schnittspalt zwischen zwei gehärteten Metallscheiben, nicht durch Zug- oder Druckbruch. Das Verfahren ist ein Standardprozess der Web-Converting-Industrie und kommt überall dort zum Einsatz, wo breite Rollenmaterialien wie Papier, Folien oder Laminate in definierte schmalere Rollen aufgeteilt werden müssen.
Im Etikettendruck wird Shear Slitting auf Slitter-Rewindern eingesetzt – Rollenschneid- und Wickelmaschinen, die breite Etikettenlaminate (sogenannten Labelstock, bestehend aus Trägerpapier oder -folie, Klebstoff und Deckmaterial) in die vom Kunden benötigten Rollenbreiten längsschneiden. Ebenso werden bedruckte Rollenwaren nach dem Druckprozess vor der Weiterverarbeitung durch dieses Verfahren konfektioniert. Die Rundmesser sind quer zur Bahnlaufrichtung angeordnet; das untere Messer läuft dabei geringfügig schneller als das obere – typischerweise etwa drei bis fünf Prozent –, um den Schereffekt zu optimieren. Zu den wesentlichen Prozessparametern zählen die Messerschärfe, die Überlappungstiefe der Klingen, der seitliche Anpressdruck sowie der Anstellwinkel der Messer. Verarbeitet werden unter anderem gestrichene und ungestrichene Papiere, Kunststofffolien wie PE, PP, PET und BOPP, Aluminiumfolien sowie Laminat-Verbundmaterialien, wie sie im Etikettenbereich typisch sind.
Für die Etikettenbranche ist Shear Slitting aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung. Das Verfahren erzeugt sehr saubere, glatte Schnittkanten mit minimalem Staub- und Faserflug, da das Material geschnitten und nicht gequetscht oder gerissen wird. Für Etikettenhersteller bedeutet das eine deutliche Reduktion von Maschinenverunreinigungen und Bahnrissen durch Kantenfehler. Zudem bleibt die ursprüngliche Materialdicke bis an den Rand erhalten – ein Einschnüren oder Verdicken der Kante, wie es bei anderen Verfahren auftreten kann, wird vermieden. Für Anwender und Käufer von Etikettenrollen resultiert daraus eine verbesserte Laufstabilität auf Etikettier-, Spende- und Druck-und-Spende-Systemen: Präzise Rollenbreiten und gleichmäßige Kanten reduzieren Fehleinzüge, Bahnwanderung und Maschinenstörungen spürbar. Die staubarmen Kanten schützen zudem empfindliche Druckköpfe und Sensoren vor Verschmutzung. Gerade für anspruchsvolle Anwendungen in der Pharma-, Marken- oder Industriekennzeichnung, wo makellose Kantenqualität gefordert ist, gilt Shear Slitting als das am häufigsten eingesetzte und geeignetste Längsschneidverfahren für flexible Materialbahnen.