Eine semirotative Stanze (auch: semi-rotatives oder translatives Stanzen) ist ein Stanzaggregat, bei dem ein flexibles metallisches Stanzblech – die sogenannte Flexi-Die – auf einem rotierenden Magnetzylinder montiert wird. Das entscheidende Merkmal gegenüber dem vollrotativen Stanzen besteht darin, dass der Magnetzylinder beim Wechsel der Etikettenformat-Länge in der Maschine verbleibt; unterschiedliche Längen werden stattdessen über den Materialbahn-Vorschub sowie elektronisch oder mechanisch eingestellte Verkürzungsfaktoren realisiert.
Im Betrieb läuft die selbstklebende Materialbahn zwischen dem Magnetzylinder und einem Gegendruckzylinder hindurch. Die auf dem Magnetzylinder befestigte Flexi-Die schneidet dabei die gewünschte Etikettenkontur in das Obermaterial – typischerweise Papier oder Folie – ohne das darunterliegende Trägermaterial (Liner) zu durchtrennen. Die fertigen Etiketten verbleiben so auf der Trägerbahn und können anschließend weiterverarbeitet oder aufgerollt werden. Semirotative Systeme erreichen je nach Maschine Liniengeschwindigkeiten von bis zu 65 m/min. Sie sind häufig als eigenständige Weiterverarbeitungseinheit nach Digitaldruckmaschinen oder als integriertes Stanzaggregat in Flexodruck- und Konvertierungslinien anzutreffen; die Daco DF350SR und Edale-Systeme sind dokumentierte Maschinenbeispiele mit semirotiativem Modus.
Für den Etikettendruck ist das semirotative Stanzen vor allem in zwei Bereichen bedeutsam. Erstens ist das Verfahren ausdrücklich auf kurze und mittlere Auflagen ausgelegt und gilt als die im Digitaldruck am häufigsten eingesetzte rotative Stanzmethode. Da nur das Stanzblech – nicht der gesamte schwere Magnetzylinder – gewechselt werden muss, sinken Rüst- und Stillstandszeiten zwischen verschiedenen Aufträgen spürbar. Das erleichtert auch die körperliche Arbeit der Bediener und erhöht die Arbeitssicherheit. Zweitens ermöglicht das einfache Austauschen der Flexi-Die eine hohe Format- und Formenvielfalt: Verschiedene Etikettengeometrien lassen sich durch Wechsel des Stanzblechs und Anpassung der Maschinenparameter realisieren, ohne mechanische Umbauarbeiten am Zylinder vornehmen zu müssen. Einige Maschinen kombinieren den semirotiven Modus für Kurzauflagen mit dem vollrotativen Modus für größere Stückzahlen, was Druckereien eine flexible Auftragsabwicklung erlaubt.
Für Etikettenbesteller bedeutet das konkret: Kleine bis mittlere Auflagen mit individuellen Stanzformen lassen sich wirtschaftlicher produzieren als mit klassischen vollrotativen Systemen, bei denen jede neue Formatlänge einen Zylinderwechsel erfordern würde. Gleichzeitig gewährleisten rotative Stanzprinzipien – korrekte Einstellung vorausgesetzt – präzise Schnittkonturen, sodass das Obermaterial sauber und ohne Beschädigung des Liners aus dem Verbund gelöst wird.