Sicherheitsetikett

Ein Sicherheitsetikett ist ein speziell konstruiertes Etikett, das über die reine Kennzeichnungsfunktion hinaus eine aktive Schutzfunktion gegen Manipulation, Diebstahl oder Fälschung erfüllt. Im industriellen Etikettendruck werden darunter zwei technisch grundlegend verschiedene Gruppen zusammengefasst: manipulationssichere Versiegelungsetiketten und elektronische Warensicherungsetiketten.

Manipulationssichere Etiketten – häufig als VOID-Etiketten bezeichnet – basieren auf einem mehrschichtigen Materialaufbau, meist aus speziellen Polyesterfolien oder selbstzerstörendem Papier. Wird ein solches Etikett abgelöst, zerfällt es in seine Schichten, wobei ein sichtbares Sicherheitsmuster oder ein Schriftzug wie „VOID“ oder „OPENED“ erscheint – entweder nur im Etikett selbst oder zusätzlich als dauerhafter Rückstand auf der versiegelten Oberfläche. Je nach Klebstofftyp unterscheidet man zwischen Varianten mit Rückstand (High/Total Transfer) und solchen ohne Rückstand (Zero/No Transfer). Ein einmal geöffnetes Etikett lässt sich nicht unbemerkt wiederverwenden, was eine zuverlässige Manipulationsmeldung sicherstellt. Einsatzbereiche sind Versandverpackungen, Dokumente, Inventarkennzeichnung sowie der Schutz von Gütern während Transport und Lagerung. Individuelle Bedruckung mit Seriennummern, Barcodes und Logos ermöglicht zusätzlich die lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Elektronische Warensicherungsetiketten (EAS-Etiketten) enthalten passive elektronische Strukturen – etwa flache Metallwindungen als Spule mit Kondensator bei RF-Etiketten oder einen Chip bei RFID-Labels – die beim Durchqueren einer Kontrollschleuse ein Signal auslösen. Diese Etiketten werden im Einzelhandel eingesetzt, sind optisch häufig als gewöhnliche Produkt- oder Barcode-Etiketten gestaltet und werden beim regulären Bezahlvorgang deaktiviert oder entfernt. RF-Etiketten etwa werden durch eine induzierte Hochspannung an der Kasse dauerhaft unbrauchbar gemacht und sind damit nur einmalig verwendbar.

Für die Herstellung und Verarbeitung im Etikettendruck bedeutet dies konkret: Produzenten müssen spezifische Materialkombinationen beherrschen – VOID-Folie oder selbstzerstörendes Papier in Kombination mit permanent haftenden Klebstoffen –, um die gewünschte Sicherheitsfunktion technisch sicher zu gewährleisten. Der zweischichtige Aufbau muss präzise verarbeitet werden, damit die Trennung beim Ablösen reproduzierbar und zuverlässig funktioniert. Sicherheitsetiketten werden auf Rolle produziert und sind damit auf gängigen Etikettendruck- und Spendeanlagen verarbeitbar. Bei elektronischen EAS-Etiketten ist zudem die Kompatibilität mit den jeweiligen Warensicherungssystemen in den Technologien RF, EM, AM oder RFID sicherzustellen. Anwender profitieren neben dem Schutz vor Manipulation und Diebstahl auch davon, dass Sicherheitsetiketten mit individueller Kennzeichnung gesetzliche Anforderungen an eine eindeutige Inventarisierung erfüllen können.