Ein Spektralphotometer ist ein präzises Farbmessgerät, das einfallendes Licht in spektrale Bereiche zwischen typischerweise 400 und 700 nm zerlegt und für jedes Wellenlängenintervall den Reflexions- oder Transmissionsgrad separat erfasst. Aus diesen Messwerten berechnet das Gerät numerische Farbkoordinaten in standardisierten Farbräumen wie CIE L*a*b*, CMYK oder RGB. Die Gesamtheit aller Messpunkte ergibt eine Remissionskurve, die als eindeutiger farblicher Fingerabdruck eines Objekts gilt.
Technisch beleuchtet das Gerät die Messfläche mit dem gesamten sichtbaren Spektrum und zerlegt das reflektierte oder durchgelassene Licht in Intervalle von typischerweise 10 bis 20 nm. Gegenüber dem Densitometer, das lediglich Farbdichte und Helligkeit erfasst, liefert das Spektralphotometer vollständige Informationen über den Farbton und ermöglicht damit die Erkennung von Metamerie-Effekten – also Farbunterschieden, die erst unter wechselnden Lichtverhältnissen sichtbar werden. Geräte müssen der Norm ISO 13655 entsprechen, die mehrere definierte Messbedingungen vorschreibt: M0 mit ungefiltertem Wolframlicht, M1 unter D50-Tageslichtbedingungen mit UV-Anteil, M2 ohne UV-Anteil sowie M3 mit polarisiertem Licht. Diese Messmodi sind im professionellen Druck- und Proofumfeld verbindlicher Standard. Spektralphotometer sind sowohl als stationäre Tischgeräte für die Vermessung von Chartbögen als auch als tragbare Handgeräte für den Einsatz direkt in der Produktion erhältlich. Proofdrucker verfügen teilweise über integrierte Einheiten zur automatisierten Messung.
Im Etikettendruck ist das Spektralphotometer ein zentrales Werkzeug für Farbmanagement und Qualitätssicherung. Es wird eingesetzt, um ICC-Profile für Etikettendruckmaschinen zu erstellen und zu aktualisieren: Dazu werden Testcharts mit hunderten bis tausenden Farbfeldern auf dem jeweiligen System gedruckt und Feld für Feld vermessen, woraus Ausgabeprofile und Linearisierungen berechnet werden. Dieser Prozess gilt für alle relevanten Substratkategorien im Etikettendruck, darunter beschichtete und unbeschichtete Papiere, Folien, metallisierte Materialien wie Aluminium sowie transparente Medien, bei denen auch die Transmissionsmessung zum Einsatz kommt. Im laufenden Druckprozess dient das Gerät der Prozesskontrolle, indem Referenzfelder und Markenfarben auf gedruckten Etiketten gemessen und Farbabweichungen frühzeitig erkannt werden. Für Etikettenhersteller bedeutet das konkret: reproduzierbare Farben über unterschiedliche Produktionschargen, Maschinen und Standorte hinweg, weniger Ausschuss und Nacharbeit sowie die Fähigkeit, Kunden messbare und dokumentierte Farbtoleranzen zuzusichern. Für Auftraggeber von Etiketten ermöglichen spektralphotometrische Messprotokolle objektive Farbvergleiche zwischen verschiedenen Lieferanten und liefern nachprüfbare Qualitätsnachweise dafür, dass gelieferte Etiketten den vereinbarten Farbstandards entsprechen.