Tamper Evident / Erstöffnungsschutz

Tamper Evident – im Deutschen auch als Erstöffnungsschutz oder Manipulationsnachweis bezeichnet – beschreibt Etiketten-Konstruktionen, die beim ersten Öffnen einer Verpackung eine irreversible und für Laien klar erkennbare Veränderung zeigen. Das Grundprinzip ist dabei eindeutig: Eine Verpackung kann nicht geöffnet und wieder verschlossen werden, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Damit liefern diese Etiketten einen eindeutigen Nachweis darüber, ob ein Produkt noch im Originalzustand ist.

Technisch wird dieses Ziel im Etikettendruck auf verschiedene Arten erreicht. Die häufigste Methode ist die gezielte Positionierung des Etiketts über der Öffnungslasche einer Faltschachtel: Etwa die Hälfte der Etikettenfläche wird auf dem Schachtelkorpus appliziert, die andere Hälfte überdeckt die Öffnungslasche. Beim Öffnen reißt das Etikett kontrolliert ein oder löst sich sichtbar ab, sodass die Manipulation offensichtlich wird. Eine weitere verbreitete Technik sind sogenannte Void-Etiketten, die beim Abziehen einen „VOID“-Schriftzug oder ein Muster auf dem Untergrund hinterlassen. Sicherheitsstanzungen im Etikettenmaterial können das kontrollierte Einreißen zusätzlich unterstützen.

Für den Etikettendruck hat Tamper Evidence weitreichende Konsequenzen bei der Materialauswahl, Konstruktion und Verarbeitung. Als Trägermaterialien kommen vor allem Spezialfolien, Spiegeletiketten und transparente Etiketten zum Einsatz – letztere sind im Pharmabereich besonders verbreitet, damit aufgedruckte Packungsinformationen nicht verdeckt werden. Entscheidend ist der eingesetzte Klebstoff: Er muss so hochbeständig sein, dass eine rückstandsfreie Entfernung des Etiketts unmöglich ist, und dabei Beständigkeit gegen Lösungsmittel, mechanische Einwirkung, Wasser und hohe Temperaturen gewährleisten. Gleichzeitig muss er zuverlässig auf anspruchsvollen Oberflächen wie rauen Umverpackungen oder stark lackierten Faltschachteln haften. Die Applikation erfolgt mit spezialisierten Tamper-Evident-Etikettiermaschinen, die als abgestimmte Systemlösungen aus Etikett und Etikettiereinheit erhältlich sind.

Die größte praktische Relevanz besteht derzeit im Pharmabereich. Seit dem 9. Februar 2019 schreiben die EU-Fälschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU und die Delegierte Verordnung (EU) 2016/161 für alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel einen Originalitätsverschluss vor, der Manipulation sichtbar macht, sowie eine individuelle Serialisierung mittels 2D-DataMatrix-Code. Hersteller von Arzneimittelverpackungen sind damit gesetzlich verpflichtet, Tamper-Evident-Lösungen einzusetzen. Die Norm DIN EN 16679 konkretisiert die Anforderungen an Manipulationssicherungen von Arzneimittelverpackungen. Auch außerhalb der Pharmaindustrie, etwa bei Kosmetika, werden Tamper-Evident-Etiketten eingesetzt, um den Originalzustand von Produkten nachzuweisen. Wer Etiketten für diese Anwendungen auswählt oder herstellt, muss Materialien, Klebstoffe und Maschinenkompatibilität von Anfang an auf die jeweiligen rechtlichen und funktionalen Anforderungen abstimmen.