Überdrucken

Überdrucken bezeichnet im Etikettendruck eine drucktechnische Einstellung, bei der eine Farbe oder ein Druckelement nicht ausgespart, sondern direkt über bereits gedruckte Bereiche gelegt wird. Die darunterliegende und die darüberliegende Farbschicht überlagern sich physisch, sodass an den betreffenden Stellen eine Mischfarbe entsteht. Das Gegenprinzip ist das Aussparen, bei dem der Bereich unter einem Objekt freigelassen wird, damit die obere Farbe in ihrer Reinform erscheint.

Das Standardverhalten in PostScript- und PDF-basierten Workflows ist opak: Obere Objekte decken untere ab. Überdrucken wird als explizites Attribut in Layout- und Prepress-Programmen wie Adobe InDesign oder Illustrator gesetzt, etwa über die Funktion „Fläche überdrucken“ oder „Kontur überdrucken“. Da die Wirkung am Bildschirm ohne aktivierte Überdruckenvorschau meist nicht sichtbar ist, bleibt das Attribut im Produktionsalltag eine häufige Fehlerquelle. Falsch gesetzte Überdrucken-Attribute führen zu unerwarteten Mischfarben und können das gewünschte Druckergebnis erheblich verfälschen – ein Effekt, der im fertigen Druck nicht reversibel ist.

Im Etikettendruck ist Überdrucken in mehreren Zusammenhängen produktionstechnisch relevant. Erstens empfehlen viele Druckereien, 100 % Schwarz standardmäßig überdrucken zu lassen, um die Deckkraft und Lesbarkeit schwarzer Texte sowie Barcodes auf farbigen Hintergründen zu verbessern. Wird ein Barcode auf einem farbigen Untergrund falsch ausgespart statt überdruckt oder umgekehrt, kann dies den effektiven Kontrast und damit die Scanbarkeit des Codes direkt beeinträchtigen. Zweitens werden Lacke wie UV-Lack oder Dispersionslack drucktechnisch stets überdruckt, das heißt, sie werden als Schutzschicht über die bedruckte Fläche gelegt. Im Etikettendruck schützen solche Lacke unter anderem variable Daten und Codierungen vor mechanischem Verschleiß. Drittens müssen in der Etikettenherstellung Prägeflächen, etwa für Heißfolienprägungen, in den Druckdaten zwingend auf Überdrucken gestellt sein, damit Druckbild und Veredelung korrekt zusammenwirken. Viertens wird Überdrucken gezielt eingesetzt, um sogenannte Blitzer zu vermeiden – weiße Zwischenräume, die bei Passerdifferenzen zwischen Farbfeldern entstehen können und gerade bei mehrfarbigen Etiketten mit feinen Elementen die optische Qualität mindern.

Überdrucken findet in allen gängigen Mehrfarb-Druckverfahren des Etikettendrucks Anwendung, darunter Flexo-, Digital-, Sieb- und Thermotransferdruck, und betrifft sowohl Papier- als auch Folienetiketten. Da Druckereien die Überdrucken-Einstellungen in angelieferten Daten in der Regel nicht automatisch prüfen oder korrigieren, liegt die Verantwortung für eine korrekte Anlage der Druckdaten beim Datenurheber. Für Etiketten-Anwender aus Industrie und Handel bedeutet das: Bereits bei der Druckdatenerstellung müssen Überdrucken-Attribute bewusst und korrekt gesetzt sowie über eine Überdruckenvorschau geprüft werden, um Abweichungen vom freigegebenen Corporate Design und Einschränkungen bei der Codescanbarkeit zu vermeiden.