Blitzer (Weißstellen durch Passerungenauigkeit)

Blitzer sind unbeabsichtigt sichtbare weiße oder unbedruckte Stellen des Bedruckstoffs, die im fertigen Druckbild an Stellen auftreten, an denen laut Motiv eigentlich Farbe stehen sollte. Sie entstehen entweder als Lücken zwischen aneinandergrenzenden Farbbereichen bei Passfehlern im Mehrfarbendruck oder als weiße Ränder an Schnitt- und Stanzkanten, wenn randabfallende Motive ohne ausreichende Beschnittzugabe angelegt wurden.

Im Mehrfarbendruck – etwa im Flexo- oder Offsetdruck – werden mehrere Farben in separaten Durchgängen aufgetragen. Selbst minimale Verschiebungen der Druckformen, Klischees oder Druckplatten zueinander reichen aus, um zwischen zwei angrenzenden Farbbereichen einen schmalen Streifen des Bedruckstoffweißes freizulassen. Man spricht dann von einem Blitzer durch Passerungenauigkeit. Im Digitaldruck hingegen erfolgt der Farbauftrag weitgehend zeitgleich, weshalb Blitzer durch Passerfehler dort im Druckvorgang selbst nicht entstehen. Blitzer an Schnitt- und Stanzkanten sind dagegen verfahrensunabhängig möglich, da sie allein durch die Weiterverarbeitung verursacht werden. In der Druckvorstufe begegnet man dem Problem durch zwei technische Maßnahmen: das Anlegen von Beschnitt, also das Hinausziehen druckender Elemente über das geplante Endformat hinaus, sowie das sogenannte Trapping, bei dem aneinandergrenzende Farbflächen leicht überlappend angelegt werden, damit mögliche Passabweichungen keinen weißen Spalt hinterlassen.

Für den Etikettendruck ist das Thema Blitzer besonders praxisrelevant, weil Etiketten nach dem Druck aus einer Materialrolle gestanzt werden. Dabei weicht das tatsächliche Endformat durch materialbedingte Toleranzen – etwa durch Grammatur, Temperatur oder Verarbeitungsgeschwindigkeit – unvermeidlich geringfügig vom Sollformat ab. Ist ein farbiger Hintergrund oder ein randabfallendes Bild exakt bis zur geplanten Stanzkante angelegt, reichen diese Bruchteile eines Millimeters aus, um am fertigen Etikett sichtbare weiße Blitzer entstehen zu lassen. Branchenüblich wird daher ein Beschnitt von mindestens 2 bis 3 Millimetern über das Endformat hinaus gefordert. Für Käufer von Etiketten bedeutet das konkret: Druckdaten ohne korrekt angelegten Beschnitt und ohne Trapping erhöhen das Risiko sichtbarer Blitzer erheblich. Für Etikettenproduzenten stellen Blitzer einen Qualitätsmangel dar, der im schlimmsten Fall zur vollständigen Verwerfung einer Produktionsmenge als Makulatur führt. Da Etiketten häufig ein zentrales Markenelement sind, beeinträchtigen sichtbare Blitzer die Wertanmutung des Produkts direkt und können begründete Reklamationen nach sich ziehen. Die Qualitätskontrolle im Druckprozess – unter anderem durch Passkreuze und Bogenkontrollelemente – sowie sorgfältig aufbereitete Druckdaten sind deshalb die entscheidenden Stellschrauben zur Vermeidung dieses Fehlerbilds.