„Wet Bonding“ (Nassklebeverfahren) bezeichnet kein einheitlich normiertes Verfahren im industriellen Etikettendruck, sondern einen Begriff, der in verschiedenen Fachbereichen unterschiedlich verwendet wird. Der Begriff ist klar belegt als zahnmedizinische Adhäsivtechnik sowie als Montageverfahren für großformatige Klebefolien, nicht jedoch als definierter Fachterminus für Klebstoffe oder Haftsysteme im industriellen Etikettendruck.
Technisch beschreibt „wet bonding“ in der Zahnmedizin eine Methode, bei der Dentinoberflächen nach dem Ätzen bewusst feucht gehalten werden, damit kollagene Strukturen nicht kollabieren und der Primer tiefer eindringen kann. Im Bereich der Folienmontage und Werbetechnik wird der Begriff als Montageverfahren verstanden, bei dem die zu beklebende Oberfläche oder die Klebstoffseite mit einer Wasser- beziehungsweise Wasser-Spülmittel-Lösung benetzt wird. Dieses Vorgehen ermöglicht es, besonders große Aufkleber mit einer Breite oder Höhe von über einem Meter spannungsfrei und blasenfrei zu positionieren, bevor die Flüssigkeit mit einem Rakel ausgestrichen und die Verbindung nach einer Trocknungszeit aufgebaut wird. In beiden Fällen handelt es sich um situative Montagetechniken, nicht um normativ definierte Klebstoffkategorien.
Für den industriellen Etikettendruck ist diese Begriffsklärung aus einem einfachen Grund relevant: Wer in Ausschreibungen, Produktbeschreibungen oder technischen Gesprächen auf den Begriff „Wet Bonding“ trifft, sollte wissen, dass er im Kontext von Kennzeichnungsetiketten auf Rolle, Thermotransfer- oder Inkjet-Etiketten keinem anerkannten Standard entspricht. Im industriellen Kennzeichnungsbereich werden Klebstoffe nach anderen, klar definierten Kategorien unterschieden, nämlich permanent, ablösbar oder repositionierbar. Selbstklebeetiketten, sogenannte Pressure-Sensitive Labels, werden standardmäßig trocken auf saubere, fettfreie Oberflächen aufgebracht, wobei der Klebstoff durch Anpressdruck seine Haftkraft entfaltet. Ein gezieltes Nassverfahren bei der Applikation ist für diesen Produkttyp kein beschriebenes Standardverfahren. Einzig bei der manuellen Montage großformatiger selbstklebender Folienetiketten kann eine nasse Verklebung nach dem Prinzip der Werbetechnik-Folienmontage praktisch relevant werden, ohne dass dabei ein spezifischer „Wet-Bonding-Klebstoff“ im chemisch-technischen Sinne zum Einsatz kommt. Hersteller und Käufer von Etiketten orientieren sich bei der Klebstoffauswahl folglich nicht an diesem Begriff, sondern an den praxiserprobten Klassifikationen nach Haftstärke, Trägermaterial und Untergrundeignung. Wer auf den Begriff stößt, sollte daher kritisch nach dem jeweiligen Fachkontext fragen, um Missverständnisse bei der Material- und Verfahrensauswahl zu vermeiden.