Ein Wickeletikett ist ein rechteckiges Etikett, dessen Länge ein Mehrfaches des Umfangs eines zylindrischen Gebindes beträgt, sodass es das Produkt mehrfach umwickelt. Im Unterschied zu einem herkömmlichen, einmal umlaufenden Etikett vervielfacht es die bedruckbare Fläche erheblich, ohne die Größe der Verpackung zu verändern. Damit ist es eine konstruktive Antwort auf das Problem, große Informationsmengen auf kleinen, runden Behältnissen unterzubringen.
Die Funktionsweise beruht auf einem präzise abgestimmten Materialsystem: Ein definierter Bereich der Etikettenunterseite ist mit Haftklebstoff versehen und wird fest mit dem Gebinde verbunden. Der restliche Teil wickelt sich auf sich selbst auf und überlappt die bereits aufliegende Etikettfläche. Damit die Überlappungen wieder lösbar sind und das Etikett geöffnet sowie erneut verschlossen werden kann, ist die Oberseite in den Überlappungsbereichen mit einem Trennlack, auch Release-Lack genannt, ausgestattet. Je nach eingesetzter Spendeanlage sind dabei zwei- oder dreifache Wicklungen üblich. Da Wickeletiketten beidseitig bedruckbar sind, lässt sich der verfügbare Informationsraum zusätzlich maximieren. Typische Einsatzgebiete sind Fläschchen, Ampullen, Spritzen, Röhrchen, Gläser, Sprühflaschen und Dosen, aber auch die Kennzeichnung von Leitungen und Kabeln im industriellen Umfeld.
Für den Etikettendruck ergeben sich daraus konkrete Anforderungen auf mehreren Ebenen. Bei der Materialauswahl müssen sowohl das Trägermaterial – in der Regel Folie oder Papier – als auch der Klebstoff für stark gebogene Oberflächen geeignet sein. Der Release-Lack muss so abgestimmt sein, dass die Überlappungen haften, sich aber wiederholt öffnen lassen, ohne das Etikett zu beschädigen. Das Etikettendesign erfordert eine klar definierte rechteckige Form mit ausreichender Länge sowie festgelegte Wickelrichtungen, da das spätere Erscheinungsbild direkt von der Druckaufteilung über alle Lagen hinweg abhängt. Als Druckverfahren kommen insbesondere Thermotransfer- und Thermodirektdruck zum Einsatz, die im industriellen Etikettendruck für variable Kennzeichnung weit verbreitet sind. Hinzu kommt die Anforderung an die Kompatibilität mit der jeweiligen Spendeanlage, da die Wickelzahl und das präzise Applizieren technisch sichergestellt sein müssen. Für Anwender bieten Wickeletiketten gegenüber anderen mehrlagigen Lösungen wie Booklet- oder Peel-off-Etiketten eine vergleichsweise einfache Konstruktion bei hohem Informationsvolumen. Da auf ihnen sämtliche Produkt-, Sicherheits- und Rechtsinformationen regelkonform untergebracht werden können, sind sie besonders in Branchen mit umfangreichen Kennzeichnungspflichten relevant, etwa bei Medizinprodukten, Chemikalien oder Gefahrstoffen.