Ein digitaler Zwilling ist die virtuelle Repräsentation eines realen physischen Objekts, einer Anlage oder eines Prozesses, die über den gesamten Lebenszyklus hinweg mit aktuellen Daten synchronisiert wird. Anders als ein statisches Datenblatt bildet der digitale Zwilling sowohl den historischen als auch den gegenwärtigen Zustand seines realen Gegenstücks ab und macht diese Informationen gezielt abrufbar. Der Begriff ist bislang nicht einheitlich genormt, wird aber in der Industrie-4.0-Praxis häufig mit der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) als technischer Grundlage verbunden, die herstellerübergreifende Datenmodelle ermöglicht.
Im industriellen Einsatz wird der digitale Zwilling über eine physische Kennzeichnung mit dem digitalen Datensatz verknüpft. Konkret geschieht das durch gedruckte Typenschilder oder Etiketten, die einen QR-Code oder einen NFC-Transponder tragen. Wer diesen Code mit einem Smartphone oder Tablet scannt, erhält Zugriff auf Informationen, Dokumente und aktuelle Zustandsdaten der betreffenden Maschine, Anlage oder Komponente. Die Etikettierung selbst kann dabei als Klebeetikett, als Anhänger oder als direkt auf einen Artikel gedruckte Kennzeichnung ausgeführt sein. Digitale Zwillinge gehen damit über einfache digitale Etiketten hinaus, die lediglich einen statischen QR-Code mit weiterführenden Informationen verknüpfen: Der digitale Zwilling aktualisiert seinen Informationsstand fortlaufend und bildet den Lebenszyklus eines Produkts oder einer Anlage dynamisch ab. Im Kontext automatisierter Smart-Factory-Lösungen ermöglichen digitale Zwillinge außerdem die Simulation und Optimierung von Prozessen, bevor diese real umgesetzt werden.
Für den Etikettendruck hat das unmittelbare Konsequenzen. Das Etikett übernimmt eine neue Funktion: Es ist nicht mehr nur Träger von Pflichtangaben oder Produktinformationen, sondern wird zur physischen Schnittstelle zwischen einem realen Objekt und seinem digitalen Abbild. Das stellt besondere Anforderungen an die gewählten Materialien und Verfahren. QR-Codes müssen mit ausreichender Auflösung und dauerhafter Lesbarkeit gedruckt werden, da ihre Funktion über den gesamten Produktlebenszyklus erhalten bleiben muss. NFC-Transponder erfordern Etiketten, die deren Integration erlauben. Wer Etiketten für Anwendungen mit digitalem Zwilling auswählt oder produziert, muss deshalb Beständigkeit gegenüber Umgebungseinflüssen, Scannbarkeit und Trägermaterial von Beginn an mitdenken. Für Hersteller ergibt sich daraus ein erweiterter Zugriff auf produkt- und anlagenbezogene Informationen; für Käufer und Anwender bedeutet das eine deutlich umfangreichere Informationsbasis gegenüber einem konventionellen, rein statischen Etikett, das seinen Inhalt nach dem Druckvorgang nicht mehr verändern kann.