FTM 9 ist eine standardisierte Prüfmethode des europäischen Branchenverbandes FINAT zur Messung der Anfangshaftung – auch „Loop Tack“ oder „Tack“ genannt – von druckempfindlichen, selbstklebenden Materialien. Sie erfasst die Kraft, die notwendig ist, um eine zu einer Schleife geformte Probe des Klebematerials, deren Klebstoffseite nach außen zeigt, nach kurzem Kontakt mit einer Standardprüffläche wieder zu trennen. Die Messergebnisse werden in Newton angegeben und beschreiben damit objektiv, wie schnell und wie stark ein Material beim ersten Kontakt haftet.
Das Prüfverfahren folgt einem genau definierten Ablauf. Aus dem zu prüfenden Material werden Streifen von 25 mm Breite und mindestens 175 mm Länge zugeschnitten und bei 23 ± 2 °C sowie 50 ± 5 % relativer Luftfeuchte mindestens vier Stunden lang konditioniert. Als Prüffläche dient eine gereinigte Floatglasplatte, die in der festen unteren Klemme eines Zugprüfgeräts fixiert wird. Die Enden der Materialschleife werden 10 mm in die bewegliche obere Klemme eingespannt. Die Maschine bewegt die Schleife mit 300 mm/min nach unten, bis eine Kontaktfläche von 25 mm × 25 mm auf dem Glas erreicht ist, und zieht sie unmittelbar danach mit derselben Geschwindigkeit wieder ab. Die dabei gemessene maximale Trennkraft wird erfasst. Der Endwert ergibt sich aus dem Durchschnitt von mindestens fünf Proben, wobei Anfangsspitzen in der Messkurve nicht berücksichtigt werden. Für die Durchführung werden Zugprüfmaschinen oder speziell für FINAT FTM 9 ausgelegte Loop-Tack-Tester eingesetzt, die teilweise auch die verwandte Norm ASTM D6195 abdecken und so internationale Vergleichbarkeit ermöglichen.
Für den Etikettendruck hat FTM 9 direkte praktische Bedeutung. Etiketten in Hochgeschwindigkeits-Etikettieranlagen müssen bei sehr kurzer Kontaktzeit und geringem Anpressdruck zuverlässig auf der Verpackung haften – genau diese Eigenschaft bildet der Loop-Tack-Wert ab. Klebstoffhersteller und Etikettendrucker nutzen FTM 9, um Haftklebstoffe für Papier- und Folienetiketten zu prüfen, Chargen und Lieferanten objektiv zu vergleichen und die geforderte Anfangshaftung reproduzierbar sicherzustellen. Der Kennwert erscheint in technischen Datenblättern und dient als Grundlage für Freigabeprüfungen. Käufer von Etikettenmaterialien können anhand der FTM-9-Werte beurteilen, ob ein Klebstoffsystem für ihre spezifischen Anforderungen geeignet ist – etwa bei hohen Taktzahlen, kalten Oberflächen oder Substraten mit niedriger Oberflächenenergie. Da Hersteller und Anwender dieselbe standardisierte FINAT-Methode verwenden, erleichtert FTM 9 die technische Kommunikation entlang der gesamten Lieferkette erheblich.