Spaltfestigkeit bezeichnet die Energie pro Fläche, die erforderlich ist, um ein Material wie Papier, Karton oder einen Verbundwerkstoff in der sogenannten Z-Richtung – also senkrecht zur Oberfläche – abrupt zu spalten beziehungsweise zu delaminieren. Der Wert wird in Joule pro Quadratmeter (J/m²) angegeben und ist damit ein messbares Maß für die innere Festigkeit der Faserbindungen sowie, bei mehrlagigen Materialien, für die Bindung zwischen den einzelnen Lagen.
Gemessen wird die Spaltfestigkeit standardmäßig nach DIN ISO 16260 oder TAPPI T 569 mithilfe eines Scott-Bond-Verfahrens. Bei dieser Prüfmethode wird die Papierprobe in einem Sandwich aus doppelseitigem Klebeband zwischen einer Aluplatte und einem Metallwinkel fixiert. Ein Pendel mit definierter Masse und Geschwindigkeit schlägt gegen den Metallwinkel und bewirkt eine schlagartige Delaminierung der Probe. Die dabei absorbierte Energie ergibt den Spaltfestigkeitswert. Als Prüfgerät kommt beispielsweise der emco IBT Internal Bond Tester zum Einsatz. Da die innere Struktur eines Papiers je nach Produktionsrichtung unterschiedlich sein kann, werden die Messwerte getrennt für die Maschinenlaufrichtung und die Querrichtung erfasst. Als Einflussgrößen auf das Ergebnis gelten unter anderem die Faserstoffmahlung, die Maschinengeschwindigkeit bei der Papierherstellung sowie die Lagenbindung mehrlagiger Materialien.
Für den Etikettendruck ist die Spaltfestigkeit aus zwei voneinander unabhängigen Gründen relevant. Erstens dient sie als Qualitäts- und Prozesskriterium bei der Auswahl von Bedruckstoffen: Ein zu niedriger Wert kann Delaminationserscheinungen und sogenannte Aufschäler begünstigen, also Bereiche, an denen sich das Material beim Druck- oder Weiterverarbeitungsprozess ablöst. Hersteller und Verarbeiter nutzen den Messwert daher, um die Prozesseignung eines Papiers oder Kartons für Bedruckung und Weiterverarbeitung beurteilen zu können. Zweitens spielt die Spaltfestigkeit eine gezielte Rolle bei manipulationserschwerenden Etikettenmaterialien: Haftetikettenpapiere mit bewusst geringer Spaltfestigkeit sind so konzipiert, dass sie beim Abziehen in der Z-Richtung delaminieren und dadurch Manipulationsversuche sichtbar machen. Wer also Etikettenmaterial für sicherheitsrelevante Anwendungen beschafft – etwa für Originalitätsverschlüsse oder Garantiesiegel –, muss die Spaltfestigkeit des gewählten Materials kennen und gezielt einsetzen. Der Begriff verbindet damit materialwissenschaftliche Messtechnik mit konkreten Anforderungen an Druckqualität und Produktsicherheit.