Clear-on-Clear-Etiketten, auch als No-Label-Look bezeichnet, sind bedruckte, transparente Haftetiketten, die auf einer Verpackung den Eindruck eines direkten Aufdrucks erzeugen. Das Etikett selbst wirkt dadurch optisch nahezu unsichtbar. Grundlage dieses Effekts ist die Kombination aus einer hochtransparenten Kunststofffolie als Etikettenmaterial, einem glasklaren, vollständig ausklarenden Haftklebstoff und einem transparenten PET-Folienträger, sodass alle drei Schichten gemeinsam eine klar-durchsichtige Einheit bilden.
Im Etikettendruck werden für diese Konstruktion vorrangig glasklare Polypropylenfolien (PP) als Face Stock eingesetzt, da PP flexibel und anschmiegsam ist und sich damit auch an Rundungen und unebene Oberflächen anpassen lässt. Der Klebstoff wird auf einer glatten Folienträgeroberfläche aufgebracht, was sicherstellt, dass er nach dem Applizieren auf der Verpackung keine Trübung zeigt. Das gesamte Rollenmaterial wird auf Rollen-Etikettendruckmaschinen verarbeitet und lässt sich mit nahezu allen gängigen Druckverfahren bedrucken: Flexo-, Offset-, Sieb-, Tief- und Buchdruck sind möglich, häufig auch in Kombination. Da Texte und Motive auf transparentem Untergrund ohne ausreichenden Kontrast kaum lesbar wären, werden häufig deckend weiße Unterdruckschichten eingesetzt, was den Druckaufbau gegenüber Standardetiketten komplexer macht. Die fertig bedruckten und gestanzten Etiketten werden anschließend auf automatischen Etikettiermaschinen appliziert, wobei präzise Spende- und Andrücktechnik erforderlich ist, um Blasenbildung oder Falten zu vermeiden.
Für den Etikettendruck ist dieser Etikettentyp aus mehreren Gründen bedeutsam. Auf der Herstellerseite stellen die hohe Materialreinheit, die exakte Abstimmung von Folie und Klebstoff sowie die Anforderungen an Registerhaltigkeit und Transparenz erheblich höhere Qualitätsmaßstäbe dar als bei Standardpapieretiketten. Jede Verunreinigung oder Klebstofftrübung ist auf dem transparenten Untergrund sofort erkennbar. Für Einkäufer und Verwender bietet der No-Label-Look eine wirtschaftlichere Alternative zum Direktdruck auf Verpackungen: Etiketten können bei Designwechseln, Sortenwechseln oder geänderten Kennzeichnungsvorschriften einfach ausgetauscht werden, ohne die Primärverpackung anzupassen. Die Materialkosten liegen allerdings über denen von Standardpapieretiketten, da glasklare PP-Folien, PET-Träger und Spezialklebstoffe kostenintensiver sind. Typische Einsatzbereiche sind die Getränkeindustrie, die Kosmetikbranche sowie hochwertige Lebensmittelverpackungen, überall dort also, wo Produkttransparenz und ein puristischer Markenauftritt gefragt sind. Unabhängig vom optischen Konzept müssen auch Clear-on-Clear-Etiketten sämtliche gesetzlichen Kennzeichnungspflichten erfüllen, in der EU etwa die Vorgaben der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, VO (EU) Nr. 1169/2011) hinsichtlich Mindestschriftgrößen und Pflichtangaben, was die Layoutgestaltung bei vollständig transparentem Hintergrund zusätzlich einschränkt.