Der Releasewert bezeichnet im Etikettendruck die messbare Kraft, die erforderlich ist, um ein selbstklebendes Etikett vom silikonisierten Trägermaterial zu lösen. Er beschreibt damit quantitativ das Trennverhalten zwischen der Klebstoffschicht des Etiketts und dem Liner, also dem Trägerband, auf dem die Etiketten bis zur Verwendung haften. Als kennzahlartige Größe ist er ein zentraler Parameter bei der Auslegung von Etikettenlaminaten.
Das Trägermaterial – in der Regel hochverdichtetes, superkalandriertes Papier oder eine Folie – wird mit einer Silikonbeschichtung versehen, die der Oberfläche gezielt abweisende Eigenschaften verleiht. Durch chemische Zusätze in der Silikonformulierung lässt sich dieser Abweisewert, der im Etikettenbereich direkt als Releasewert bezeichnet wird, präzise einstellen. Ein höherer Silikonanteil oder eine bestimmte Additivierung erhöht die Trennwilligkeit der Oberfläche, ein geringerer Anteil verringert sie. Der Releasewert ist damit keine feste Materialeigenschaft, sondern ein durch die Zusammensetzung der Silikonbeschichtung gezielt steuerbarer Parameter, der bereits bei der Herstellung des Laminats festgelegt wird.
Für den Etikettendruck und insbesondere für die automatisierte Weiterverarbeitung ist der Releasewert von erheblicher praktischer Bedeutung. Ein Großteil der Etiketten wird über Etikettierautomaten verarbeitet, bei denen das Trägerband straff über eine Spendekante geführt wird. An dieser Metallkante soll sich das Etikett kontrolliert vom Liner ablösen und auf das zu kennzeichnende Produkt übergehen. Damit dieser Prozess zuverlässig funktioniert, muss der Releasewert auf die jeweilige Applikationsgeschwindigkeit und den Maschinentyp abgestimmt sein. Ist der Releasewert zu hoch, löst sich das Etikett an der Spendekante nicht oder nur schwer, was zu Fehletikettierungen und Maschinenstillständen führt. Ist er zu niedrig, springen die Etiketten bereits an Umlenkrollen oder anderen Stellen im System vorzeitig vom Trägerband ab, was ebenfalls Fehlapplikationen und Prozessunterbrechungen verursacht. Besonders bei höheren Verarbeitungsgeschwindigkeiten ist eine exakte Einstellung unerlässlich.
Für Etikettenhersteller bedeutet dies, dass der Releasewert bei der Laminatkonstruktion von Anfang an berücksichtigt werden muss. Für Käufer und Anwender von Etiketten ist er ein verbindlicher Bestandteil der technischen Spezifikation, der gemeinsam mit Klebstofftyp, Obermaterial und Etikettiergeschwindigkeit festgelegt wird, um die Kompatibilität mit vorhandenen Etikettieranlagen sicherzustellen. In der Praxis wird der Releasewert in technischen Lieferbedingungen und internen Spezifikationen zwischen Etikettenherstellern, Klebstofflieferanten und Anwendern definiert, da eine einheitliche Norm mit konkreten Grenzwerten für den Etikettendruck nicht existiert.