Ein Halbtonbild ist eine Bilddarstellung mit kontinuierlichen Tonwertabstufungen – also fließenden Übergängen vom tiefsten Schwarz bis zum hellsten Grau oder zwischen Farbtönen. Da Druckverfahren wie der Hochdruck technisch nur zwischen „Farbe“ und „keine Farbe“ unterscheiden können, wird das Halbtonbild durch Rasterung in einzelne Rasterpunkte zerlegt und dadurch als Strichbild simuliert. Autotypie bezeichnet das dazugehörige fotografisch-chemische Reproduktionsverfahren, bei dem genau diese Zerlegung stattfindet und eine druckfähige Hochdruckform – das sogenannte Klischee – hergestellt wird.
Technisch läuft das autotypische Verfahren in mehreren Schritten ab: Die Halbtonvorlage – etwa eine Fotografie oder ein Gemälde – wird in einer Reproduktionskamera aufgenommen, wobei ein Kreuzlinienraster nahe dem Film oder der Aufnahmeplatte positioniert ist. Dieser Raster zerlegt das Bild in ein Rasternegativ aus Punkten unterschiedlicher Größe und Dichte. Je nach Tonwert entstehen größere oder kleinere Rasterpunkte, die dem Auge den Eindruck von Helligkeitsabstufungen vermitteln. Das Rasternegativ wird anschließend auf eine lichtempfindlich beschichtete Metallplatte – in der Regel eine Zinkplatte von etwa 1,75 mm Stärke – kopiert und geätzt, sodass erhabene Rasterpunkte als druckende Elemente stehen bleiben. Typische Autotypieraster weisen 20 bis 80 Rasterlinien je Zentimeter auf; eine höhere Rasterfeinheit ermöglicht feinere Details, stellt aber höhere Anforderungen an Druckform, Maschine und Bedruckstoff.
Für den Etikettendruck ist dieses Verfahren aus mehreren Gründen bedeutsam. Haftetiketten werden im industriellen Bereich auch im Buchdruck – also im Hochdruck – produziert, und genau dort ermöglicht die Autotypie die Wiedergabe tonwertreicher Motive wie Produktfotografien, Logos mit Farbverläufen oder illustrative Gestaltungselemente, die mit reinem Strichdruck nicht darstellbar wären. Ein weiterer praktischer Vorteil: Autotypien können in einer Buchdruckpresse gemeinsam mit dem Letternsatz gedruckt werden, sodass Schrift und Halbtonbild in einem einzigen Arbeitsgang auf das Etikett aufgebracht werden. Darüber hinaus eröffnet die Mehrfarb-Autotypie – durch übereinander gedruckte Teilbilder in Gelb, Rot und Blau – die Möglichkeit, farbige Originale mit begrenzter Farbanzahl zu reproduzieren, was für Marken- und Produktgestaltung auf Etiketten relevant ist. Die Herstellung autotypischer Klischees erfordert gegenüber einfachen Strichklischees zusätzliche Vorstufen-Schritte wie Rasterung, Kopierprozess und Ätzung, was entsprechend in der Druckformproduktion zu berücksichtigen ist. Käufer erhalten durch den Einsatz von Halbtonrastern fotorealistischere und tonwertreichere Etiketten, die eine wiedererkennbare Produkt- oder Markendarstellung ermöglichen.