Raster und Rasterpunkte bezeichnen das grundlegende technische Prinzip, mit dem kontinuierliche Tonwerte – also Graustufen, Farbverläufe und fotografische Bilder – in druckbare Punktmuster zerlegt werden. Da industrielle Druckmaschinen keine echten Halbtöne erzeugen können, wird jeder Bildbereich in einzelne Rasterpunkte aufgeteilt: Das System entscheidet binär, ob an einer bestimmten Stelle gedruckt wird oder nicht. Der visuelle Eindruck von Helligkeit und Farbtiefe entsteht durch die Größe, Dichte und Anordnung dieser kleinen druckenden Einzelelemente.
Technisch erfolgt die Rasterung im sogenannten RIP (Raster Image Processor), der aus den digitalen Bilddaten exakte Punktinformationen berechnet und das Ausgabegerät – etwa einen CtP-Belichter – steuert, der die Rasterpunkte per Laser auf die Druckplatte überträgt. Die Rasterweite, also die Anzahl der Rasterpunkte pro Längeneinheit, bestimmt dabei die Feinheit des Druckbildes: Höhere Rasterweiten liefern detailreichere Ergebnisse, erfordern aber entsprechend präzise Platten und Maschinen. Der Rasterwinkel – der Winkel, in dem das Punktraster ausgerichtet ist – spielt im Vierfarbdruck eine entscheidende Rolle, um störende Überlagerungsmuster, sogenannte Moiré-Effekte, zu vermeiden. Die DIN 16547 legt hierfür konkrete Winkelwerte für CMYK-Farbauszüge fest, ISO 12647-2 schreibt zudem vor, dass die dominante Druckfarbe auf einem Rasterwinkel von 45° liegen soll. Neben dem klassischen AM-Raster, bei dem die Punktanzahl konstant bleibt und die Punktgröße variiert, existieren FM-Raster mit konstanter Punktgröße und variierender Punktdichte sowie Hybrid- oder crossmodulierte Raster als Kombination beider Ansätze.
Im Etikettendruck ist die Rasterung aus mehreren Gründen von besonderer Bedeutung. Bilder, Farbverläufe und fotorealistische Motive auf Etiketten lassen sich nur über Druckraster reproduzieren, da die verwendeten Verfahren – Flexodruck, Offsetdruck, Buchdruck und Siebdruck – selbst keine kontinuierlichen Tonwerte drucken können. Gerade im Schmalbahn-Flexodruck, dem häufigsten Etikettendruckverfahren, bestimmt die Wahl der Rastertechnologie (AM, FM, HD-Flexo, Flexcel NX) maßgeblich, wie stabil kleine Schriften, Piktogramme und feine Bilddetails wiedergegeben werden. Sehr kleine Rasterwerte unterhalb von einem Prozent müssen in der Etikettenvorstufe gezielt entfernt werden, da sie auf Flexo- oder Buchdruckplatten wegbrechen können. Die Beschaffenheit des Etikettensubstrats – ob saugfähiges Papier oder glatte Folie – beeinflusst ebenfalls, welche Rasterweite sinnvoll eingesetzt werden kann, damit Punkte weder zulaufen noch ausbrechen. Für Markeninhaber und Käufer von Etiketten bedeutet normgerechte Rasterung nach DIN 16547 und ISO 12647-2 eine reproduzierbare, auflageübergreifend konsistente Farbwiedergabe – ein wesentlicher Faktor für CI-konforme Kennzeichnungen und gesetzlich relevante Produktauszeichnungen.