MINR (Minimum Reflectance, auch Rmin) ist ein normierter Messparameter in der Barcode-Qualitätsverifikation und bezeichnet den niedrigsten Reflexionswert innerhalb der Scankurve eines Barcodes – also die Reflexionsstärke des dunkelsten Balkens. Nach ISO/IEC 15416 gilt für lineare Barcodes eine klare Pass/Fail-Regel: MINR besteht nur, wenn der minimale Reflexionswert (Rmin) höchstens halb so groß ist wie der maximale Reflexionswert (Rmax) des hellsten Zwischenraums, also Rmin ≤ 0,5 × Rmax. Ist dieses Verhältnis nicht erfüllt, gilt der Code als nicht normkonform.
In der Praxis wird MINR nicht vom Drucker, sondern von einem Barcode-Verifikationsgerät gemessen, das das Scanprofil des Codes aufnimmt und Rmin sowie Rmax bestimmt. Das Ergebnis fließt als einer von mehreren Qualitätsparametern – neben Symbol Contrast, Edge Contrast Minimum und Modulation – in die Gesamtbewertung des Barcodes nach dem ISO-Gradingsystem (Grade A bis F) ein. Auch für 2D-Codes wie DataMatrix-Symbole, die direkt auf Teile aufgebracht werden (Direct Part Marking), ist Minimum Reflectance ein eigenständiges Prüfkriterium nach ISO/IEC TR 29158. GS1-Spezifikationen fordern die Einhaltung dieser ISO-Parameter für Barcodes auf Etiketten und Verpackungen und verlangen entsprechende Qualitätsnachweise.
Für den Etikettendruck ist MINR ein unmittelbar praxisrelevantes Kriterium, weil der Parameterwert direkt von der Kombination aus Druckfarbe beziehungsweise Thermotransferband und Etikettensubstrat abhängt. Helle, hochreflektive Trägermaterialien wie beschichtete Papiere oder weiße Kunststofffolien erhöhen Rmax, während dunkle, stark absorbierende Farbsysteme – etwa schwarze Thermotransferbänder oder Lasergravuren – Rmin absenken. Je größer dieser Kontrast, desto sicherer wird das MINR-Kriterium erfüllt. Wird es verfehlt, sind konkrete Maßnahmen möglich: dunklere Tinte oder ein anderes Ribbon einsetzen, die Druckenergie beim Thermotransfer erhöhen oder auf ein helleres Etikettenmaterial wechseln.
Im industriellen Etikettierbetrieb wird MINR typischerweise bei Stichprobenprüfungen nach dem Druck eingesetzt, um die Konformität mit GS1- oder Kundenspezifikationen zu belegen. Zugleich dient der Parameter der Fehleranalyse, wenn Scanner im Feld Leseprobleme melden. Hersteller, die MINR systematisch kontrollieren, vermeiden Reklamationen, Nachdrucke und Prozessstörungen in Wareneingang, Kommissionierung oder an Kassen – Folgekosten, die aus zu hell gedruckten Balken oder zu dunklem Hintergrund entstehen können. Käufer von Etiketten fordern daher häufig dokumentierte Prüfberichte, in denen MINR als Pass/Fail-Ergebnis ausgewiesen ist.