Absorption

Absorption bezeichnet im Farbmanagement die Aufnahme bestimmter Lichtanteile durch Farbpigmente oder Farbstoffe sowie die physikalische Aufnahme flüssiger Druckfarbe in das Bedruckstoff-Material. Beide Vorgänge bestimmen maßgeblich, welche Farbe das menschliche Auge letztendlich wahrnimmt und wie verlässlich eine Farbe im Druckprozess reproduziert werden kann.

Im subtraktiven Farbsystem CMYK, das im Etikettendruck überwiegend eingesetzt wird, entsteht die sichtbare Farbe dadurch, dass die aufgebrachten Farbmittel bestimmte Spektralanteile des einfallenden Lichts absorbieren. Was nicht absorbiert wird, wird reflektiert und vom Auge als Farbe wahrgenommen. Jedes Farbpigment besitzt dabei ein materialspezifisches Absorptionsspektrum, das festlegt, welche Wellenlängen es aufnimmt und welche es passieren lässt. Farbmanagement-Prozesse wie Kalibrierung und ICC-Profilierung zielen darauf ab, diese Absorptions- und Reflexionseigenschaften messtechnisch zu erfassen und so zu steuern, dass definierte Farbwerte – üblicherweise als Lab-Werte ausgedrückt – reproduzierbar erreicht werden. Bei der Profilerstellung werden dazu Testcharts auf dem jeweiligen Etikettenmaterial gedruckt und mit Spektralfotometern vermessen. Die gewonnenen Messdaten fließen in ICC-Profile ein, mit denen RIP-Software und Farbmanagement-Systeme den Farbauftrag des Druckers präzise steuern.

Für den Etikettendruck ist Absorption aus mehreren Gründen von zentraler praktischer Bedeutung. Etikettensubstrate unterscheiden sich erheblich in ihrer Saugfähigkeit und Oberflächenstruktur: Gestrichene und ungestrichene Papiere, Kunststofffolien wie PE, PP oder PET sowie metallisierte Folien nehmen Druckfarbe physikalisch unterschiedlich auf und weisen zudem unterschiedliche optische Eigenfarben und Opazitäten auf. Das verändert das gesamte Absorptions- und Reflexionsverhalten des Systems aus Farbe und Material. Ein ICC-Profil, das für ein gestrichenes Papieretikett erstellt wurde, ist deshalb nicht auf eine PE-Folie übertragbar. Hinzu kommt, dass verschiedene Tintentechnologien – wasserbasierte, lösungsmittelbasierte, UV- oder Latex-Tinten – unterschiedlich tief in das Substrat eindringen oder auf dessen Oberfläche einen Film bilden, was die effektive Absorption und damit die Farbdichte beeinflusst. Für Etikettenhersteller bedeutet das: Nur mit material- und druckerspezifischen Profilen lassen sich Farbabweichungen zwischen verschiedenen Substraten oder Produktionschargen zuverlässig kompensieren. Für Käufer von Etiketten, etwa Markenartikler, sichert ein professionell auf Absorption basierendes Farbmanagement die konsistente Darstellung von Markenfarben und Logos über verschiedene Materialien, Drucksysteme und Lieferanten hinweg – eine Anforderung, die im Bereich Branding und Corporate Design kaum Toleranz für Abweichungen lässt.