Abweisungsgrad

Der Abweisungsgrad bezeichnet im Etikettendruck die messbare Trennkraft, die erforderlich ist, um das silikonisierte Trägermaterial vom klebstoffbeschichteten Etikettenobermaterial zu separieren. Dieser Kennwert wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: die Formulierung des eingesetzten Klebstoffs sowie den Silikonanteil in der Trennschicht des Trägermaterials. Er ist damit eine direkte Eigenschaft des Verbundsystems aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Liner.

Selbstklebende Etiketten bestehen stets aus diesem dreilagigen Aufbau. Das Trägermaterial, auch Liner genannt, ist auf seiner dem Klebstoff zugewandten Seite silikonisiert. Diese Trennschicht sorgt dafür, dass das Etikett bei Bedarf sauber und kontrolliert vom Träger abgelöst werden kann, ohne dabei die Klebkraft auf der Nutzseite zu beeinträchtigen. Die Trennung erfolgt genau an der Grenzfläche zwischen Klebstoff und Silikonschicht. Durch gezielte Anpassung der Klebstoffart – etwa Acrylklebstoffe oder Kautschukbasisklebstoffe, in permanenter oder ablösbarer Ausführung – sowie der Silikonrezeptur lässt sich der Abweisungsgrad für verschiedene Anforderungen einstellen.

Seine zentrale praktische Bedeutung entfaltet der Abweisungsgrad beim automatisierten Etikettenspenden. In industriellen Etikettier- und Kennzeichnungsanlagen wird das Etikett an einer Spendekante von der laufenden Trägerbahn abgelöst und unmittelbar auf das Produkt aufgebracht. Damit dieser Prozess zuverlässig funktioniert, muss der Abweisungsgrad präzise auf die Maschinenmechanik abgestimmt sein – auf Spendegeschwindigkeit, Bahnbreite und die wirkenden Zugkräfte. Ist die Trennkraft zu hoch, löst sich das Etikett nicht sauber oder zum richtigen Zeitpunkt ab. Ist sie zu niedrig, kann es zu unkontrolliertem Ablösen, Bahnverzug oder sogar Bahnabrissen kommen. Beide Extremfälle verursachen Maschinenstillstände, Ausschuss und erhöhten Wartungsaufwand.

Für Etikettenhersteller ist der Abweisungsgrad daher ein kritischer Parameter in der Materialentwicklung und -prüfung. Klebstoff und Trennschicht müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass das fertige Etikettenmaterial die Anforderungen des jeweiligen Spendeprozesses erfüllt. Für Einkäufer und Anwender bedeutet das: Bei der Auswahl von Etikettenmaterial reicht es nicht, allein die Haftleistung auf dem Zielsubstrat zu bewerten. Ebenso relevant ist die Trenncharakteristik des Liner-Klebstoff-Systems im Hinblick auf die konkret eingesetzte Anlage. Nur wenn Klebstoffeigenschaften, Silikonisierung des Trägers und Maschinenparameter zusammenpassen, ist ein störungsarmer, wirtschaftlicher Betrieb gewährleistet. Der Abweisungsgrad ist damit ein Schnittstellenbegriff zwischen Materialwissenschaft und Prozesstechnik im industriellen Etikettieren.