Additive Farbmischung bezeichnet ein Verfahren, bei dem verschiedene Spektralanteile von Licht überlagert werden und im visuellen System des Betrachters einen neuen Farbeindruck erzeugen. Es handelt sich damit um eine physiologische Farbmischung. Die additiven Primärfarben sind Rot, Grün und Blau – das sogenannte RGB-Modell – und bilden die technische Grundlage aller lichtemittierenden Geräte wie Monitore, Scanner und Kameras.
Das Prinzip der additiven Farbmischung folgt klaren Regeln: Rot und Grün ergeben Gelb, Rot und Blau ergeben Magenta, Grün und Blau ergeben Cyan. Werden alle drei Primärfarben mit voller Intensität überlagert, entsteht Weiß. Fehlt das Licht vollständig, erscheint Schwarz. Ein Bildschirmpixel besteht aus drei Subpixeln in Rot, Grün und Blau, deren individuelle Intensität die wahrgenommene Farbe additiv erzeugt. Farbräume wie sRGB sind direkt auf dieser physikalischen Grundlage aufgebaut und in internationalen Spezifikationen festgelegt. Im Farbmanagement werden ICC-Profile genutzt, um RGB-Geräte zu charakterisieren und die Farbraumtransformation zwischen Monitor und Druckmaschine zu kontrollieren.
Für den Etikettendruck ist die additive Farbmischung aus einem zentralen Grund bedeutsam: Druckmaschinen – ob Offset, Flexo oder Digitaldruck – arbeiten nicht additiv, sondern subtraktiv auf Basis des CMYK-Modells. Die additive Farbmischung tritt jedoch in jeder Phase der Druckvorstufe auf, weil Etikettenlayouts am Monitor gestaltet und freigegeben werden, der ausschließlich im RGB-Farbraum arbeitet. Die Farben, die ein Designer oder ein Kunde auf dem Bildschirm sieht, sind additiv erzeugte Lichtfarben – das gedruckte Etikett hingegen entsteht durch subtraktive Farbmischung mit Druckfarben auf einem Substrat, das Licht reflektiert. Dieser physikalische Unterschied ist der eigentliche Grund für Farbabweichungen zwischen Monitordarstellung und Druckergebnis.
Konkret bedeutet das: Bestimmte leuchtende RGB-Farben, die am Bildschirm problemlos darstellbar sind, liegen außerhalb des reproduzierbaren CMYK-Druckfarbraums und können im Etikettendruck nicht exakt wiedergegeben werden. Markenfarben, die ursprünglich für digitale Anwendungen im RGB-Kontext definiert wurden, müssen bei der Umsetzung auf Etiketten sorgfältig in CMYK oder Sonderfarben übersetzt werden. Für Hersteller bedeutet das den Einsatz von Farbprofilen und Softproofing-Workflows, um reproduzierbare Etikettenfarben sicherzustellen. Für Käufer und Markeninhaber gilt, dass On-Screen-Freigaben am Monitor niemals eine verlässliche Vorlage für die Beurteilung des gedruckten Etiketts sind – die Beurteilung von Druckmustern unter definierten Lichtbedingungen bleibt deshalb ein notwendiger Schritt im Freigabeprozess.