Adhäsion bezeichnet die Haftkraft, die an der Grenzfläche zwischen zwei in Kontakt stehenden Materialien wirkt und durch molekulare Anziehungskräfte entsteht. Im Kontext von Etiketten beschreibt der Begriff konkret die Wechselwirkung zwischen dem Klebstoff eines Etiketts und dem zu beklebenden Untergrund, dem sogenannten Substrat. Adhäsion ist dabei klar von der Kohäsion abzugrenzen, die den inneren Zusammenhalt des Klebstoffs selbst beschreibt und nichts mit der Haftung am Untergrund zu tun hat.
Im Etikettendruck tritt Adhäsion in zwei grundlegend verschiedenen Formen auf. Bei selbstklebenden Etiketten mit Haftklebstoffen, sogenannten Pressure Sensitive Adhesives (PSA), entsteht die Haftung durch den Klebstoff auf der Etikettenrückseite. Die gemessene Adhäsionskraft bestimmt, ob ein Etikett als abnehmbar, wiederablösbar oder permanent eingestuft wird. Da die Adhäsion materialabhängig ist, wird sie stets in Bezug auf ein definiertes Testsubstrat angegeben, typischerweise Stahl oder Polyethylen. Der internationale Branchenstandard zur Messung dieser Abziehkraft ist die FINAT Test Method 1 (FTM 1): Ein beschichteter Streifen wird auf eine Testplatte geklebt und anschließend bei konstanter Geschwindigkeit in einem Winkel von 90° oder 180° abgezogen. Die dabei gemessene Kraft gilt als Kennwert für die Adhäsion des Haftmaterials. Daneben existieren Adhäsionsetiketten und -folien, die vollständig ohne Klebstoff auskommen. Ihre Haftung auf glatten Oberflächen wie Glas beruht ausschließlich auf Van-der-Waals-Kräften zwischen der Folienoberfläche und dem Untergrund. Solche Materialien bestehen meist aus weichen, glatten PVC- oder PE-Folien oder aus Papier mit rückseitiger PE-Beschichtung, die einen maximalen Flächenkontakt und damit eine ausreichende Adhäsionskraft ermöglichen.
Für die Auswahl und den Einsatz von Etiketten ist die Adhäsion ein zentrales Kriterium. Hersteller müssen für jede Klebstoff-Substrat-Kombination die Adhäsion gesondert prüfen, da sie stark vom Untergrundmaterial abhängt. Anwender wiederum entscheiden anhand der Adhäsionswerte, ob ein Etikett für dauerhafte industrielle Kennzeichnung oder nur für temporäre Hinweise geeignet ist. Klebstofffreie Adhäsionsetiketten bieten Vorteile auf lösungsmittelsensiblen Oberflächen, da weder Rückstände noch chemische Einwirkungen zu erwarten sind. Allerdings ist ihre Haftkraft begrenzt: Sie haften nur auf wenigen, glatten Materialien, sind für mechanische Beanspruchung nicht ausgelegt und eignen sich nicht für dauerhafte Kennzeichnung. Lufteinschlüsse bei der Applikation können die effektive Kontaktfläche zusätzlich verringern und damit sowohl die Haftung als auch das optische Erscheinungsbild beeinträchtigen.