FINAT – kurz für „Fédération Internationale des Fabricants et Transformateurs d’Adhésifs et Thermocollants sur papiers et autres supports“ – ist der europäische Fachverband der Selbstklebe- und Etikettenindustrie. Im praktischen Sprachgebrauch des Etikettendrucks steht der Begriff jedoch weniger für den Verband selbst als für die von ihm entwickelten und gepflegten standardisierten Prüfmethoden, die sogenannten FINAT Test Methods, kurz FTM. Diese Prüfmethoden bilden die branchenübliche Grundlage für die Qualitätsbewertung von selbstklebenden Etiketten, Klebebändern und Haftverbunden.
Die FINAT-Testmethoden decken die zentralen Eigenschaften selbstklebender Materialien systematisch ab. Geprüft werden unter anderem Klebkraft, Scherfestigkeit, Trennkraft, Temperaturbeständigkeit und Alterungsverhalten. Dabei arbeiten die Methoden mit genau definierten Prüfparametern: So misst FTM 1 die Klebkraft bei einem Abzugswinkel von 180° und einer Abzugsgeschwindigkeit von 300 mm/min, FTM 2 entsprechend bei 90°. FTM 3 erfasst die Trennkraft bei langsamem Abzug, FTM 5 prüft die Beständigkeit gegenüber erhöhten Temperaturen, FTM 8 die Scherfestigkeit auf einer definierten Standardoberfläche, FTM 10 die Qualität von Silikonbeschichtungen auf Trennpapieren und FTM 26 die Ablösbarkeit eines druckempfindlichen Klebstoffs unter Einwirkung einer Lösung. Die Prüfungen werden je nach Anforderung auf Originaloberflächen oder auf standardisierten Testflächen nach FINAT-Vorgaben durchgeführt. Ergänzend werden FINAT-Prüfungen in der Praxis häufig im Zusammenhang mit anderen Normensystemen wie ISO, EN, DIN oder ASTM angewendet, ohne dass eine gesetzliche Verbindlichkeit besteht.
Für den Etikettendruck sind FINAT-Testmethoden aus mehreren Gründen von unmittelbarer Bedeutung. Hersteller von Etikettenmaterialien nutzen sie als branchenweite Referenz für die technische Produktdokumentation und als Grundlage für reproduzierbare Qualitätsprüfungen. Verarbeiter und Druckereien setzen FINAT-Prüfungen ein, um eingehende Materialien systematisch zu bewerten und freizugeben. Käufer und Auftraggeber profitieren davon, weil die standardisierten Messwerte belastbare und vergleichbare Aussagen zu praxisrelevanten Eigenschaften liefern: Haftet das Etikett zuverlässig auf der vorgesehenen Oberfläche? Lässt es sich rückstandslos ablösen? Besteht es Temperaturbelastungen im Lager oder auf der Verpackungsstrecke? Diese Fragen lassen sich auf Basis der FINAT-Methodik präzise und nachvollziehbar beantworten. Damit erleichtern die Testmethoden sowohl die Spezifikation neuer Materialien als auch die Wareneingangsprüfung im laufenden Betrieb – und schaffen zwischen Herstellern, Verarbeitern und Endkunden eine gemeinsame technische Sprache.