AFI (Application Family Identifier) ist ein standardisiertes Ein-Byte-Kennzeichen in RFID-Systemen, das eine bestimmte Anwendungsfamilie von RFID-Transpondern adressiert und von anderen Transponder-Klassen unterscheidet. Der Wert wird im System- bzw. Konfigurationsbereich des RFID-Chips gespeichert und ist in den Normen ISO/IEC 15961-3 sowie ISO 15693-3 definiert.
Technisch funktioniert AFI als Selektionsmechanismus sowohl auf Datenprotokoll- als auch auf Luftschnittstellen-Ebene: Ein RFID-Reader sendet einen AFI-Wert aus und spricht damit ausschließlich jene Transponder an, die diesen Wert gespeichert haben – alle anderen Tags werden schlicht ignoriert. Für HF-RFID-Etiketten nach ISO 15693 bzw. ISO 18000-3 Mode 1, wie sie beispielsweise in Bibliotheken auf Medien eingesetzt werden, hat die ISO/IEC den Hexadezimalwert C2 explizit für Bibliotheksanwendungen reserviert. Der Wert 07 (hex) kennzeichnet den Status „in Bestand“. Einige Bibliothekssysteme nutzen darüber hinaus zwei unterschiedliche AFI-Werte, um zwischen „eingebucht“ und „ausgebucht“ zu unterscheiden – ein herstellerspezifischer Ansatz für Sicherheitsfunktionen. Im automobilen Umfeld schreibt die VDA-Empfehlung 5510 bestimmte AFI-Werte für die Teile- und Baugruppenkennzeichnung vor, sodass Reader im Produktionsumfeld gezielt nur die relevanten Behälter oder Bauteile erfassen.
Für den Etikettendruck ist AFI auf mehreren Ebenen direkt relevant. RFID-Etiketten – oft als selbstklebende Smart Labels mit 13,56-MHz-HF-Chips ausgeführt – müssen beim Druck- und Kodiervorgang mit dem korrekten AFI-Byte programmiert werden. RFID-Etikettendrucker, die Thermotransfer- oder Thermodirektdruck mit einem integrierten RFID-Encoder kombinieren, müssen diese Programmierung im Produktionsprozess unterstützen. Etikettenhersteller und Systemanbieter sind damit verpflichtet, nicht nur Layout und Barcode korrekt zu produzieren, sondern auch die Initialkodierung des AFI-Bytes normkonform auszuführen – etwa mit C2 hex für Bibliotheksetiketten. Ebenso müssen stationäre Gate-Systeme, Ausleih- und Rückgabeautomaten sowie industrielle Lesestationen AFI-fähig sein, um die Selektion nach Anwendungsfamilie überhaupt nutzen zu können.
Für Käufer von RFID-Etiketten hat AFI eine unmittelbar praktische Bedeutung: Bibliotheks-Etiketten mit dem richtigen AFI-Wert lösen keine Fehlalarme in handelsüblichen EAS/RFID-Systemen aus, da diese auf andere AFI-Werte reagieren. In industriellen Anwendungen stellt AFI sicher, dass ein Reader ausschließlich die für seinen Prozess vorgesehenen Tags verarbeitet und Fremdladung oder andere Behältertypen ausblendet. AFI ist dabei kein optionaler Zusatz, sondern in vielen Projekten – von Bibliotheken bis zur Automobilindustrie – ein verbindliches Datenfeld innerhalb der RFID-Etikettenspezifikation, dessen Einhaltung Teil der Lieferanforderungen ist.