Eine Anfasslasche ist eine zusätzliche, konstruktiv vorgesehene Fläche an einem Etikett, die das Greifen und Abziehen des Labels erleichtert. Sie ist entweder seitlich oder an einer Kante des Etiketts angebracht und bietet dem Anwender ein definiertes Element, an dem er das Etikett vom Trägermaterial oder von einem Produkt abnehmen kann. Fachlich lässt sich die Anfasslasche damit als gestalterisch-technisches Merkmal eines Etiketts beschreiben, dessen einziger Zweck die Verbesserung der Handhabung ist.
Hergestellt wird die Anfasslasche nahezu ausschließlich durch Stanzprozesse. Dabei wird das Etikett entweder vollständig oder partiell – also „angestanzt“ – so bearbeitet, dass ein zusätzlicher Bereich entsteht, an dem das Etikett ergriffen werden kann, ohne sofort mit der Klebefläche in Kontakt zu kommen. Bei einfachen Einzeletiketten auf Rollenmaterial bedeutet dies, dass das Silikonpapier an genau dieser Stelle leichter abgelöst werden kann. Eine Sonderform ist die sogenannte negative Anfasslasche, wie sie bei mehrlagigen Booklet-Etiketten zum Einsatz kommt: Hier wird durch die Stanze ein Bereich freigestellt, der das Öffnen des gesamten Booklets erleichtert. Eine weitere Variante ist die Nasenstanzung, bei der am Falzbogen eines Booklet-Etiketts eine kleine vorstehende Lasche entsteht, über die die erste Seite des Mehrlagenetiketts besser angefasst werden kann.
Für den Etikettendruck ist die Anfasslasche in mehreren Anwendungsbereichen relevant. Bei selbstklebenden Einzeletiketten ist sie ein direktes Qualitätsmerkmal, das die manuelle Verarbeitung beschleunigt und Fehler beim Abziehen reduziert. Bei Kennzeichnungsetiketten für elektronische Bauteile – etwa Schutz- oder Verschlussetiketten – ermöglicht eine seitlich angebrachte Anfasslasche das rückstandsfreie Ablösen des Etiketts, was in der Elektronikfertigung besonders relevant ist. Bei doppelseitigen Klebepunkten wird eine Abdeckfolie mit Anfasslasche verwendet, damit die geschützte Klebseite problemlos freigelegt werden kann. Darüber hinaus kann die Anfasslasche als Ausstattungsoption bei Sicherheits- und Warnschildern sowie anderen Kennzeichnungsprodukten konfektioniert werden, teils ergänzt durch eine rückseitige Schlitzung.
Das Material der Anfasslasche ist grundsätzlich identisch mit dem des Etiketts selbst, da sie als integraler Bestandteil der Stanzkonstruktion ausgeführt wird. Eine eigenständige Norm, die sich spezifisch auf Anfasslaschen bezieht, existiert nicht; allgemeine Etikettennormen wie die DIN 16526 oder EN 16679 für manipulationssichere Etiketten gelten jedoch für den übergeordneten Produktkontext. Wer Etiketten mit Anfasslasche einkauft oder spezifiziert, sollte die gewünschte Laschenkonstruktion – Lage, Größe und Stanztiefe – klar in der Druckvorlage oder Stanzkontur definieren, da diese direkte Auswirkungen auf die Weiterverarbeitbarkeit und das Handling beim Endanwender hat.