Die Stanzkontur ist eine vektorbasiert angelegte Konturlinie, die im Etikettendruck das exakte Endformat sowie die Form eines Etiketts definiert. Sie dient als technische Vorgabe für den späteren Stanzvorgang und legt damit fest, in welcher Gestalt das fertige Etikett aus dem Rohmaterial herausgelöst wird. Ohne eine korrekt angelegte Stanzkontur ist eine präzise Formgebung des Etiketts nicht möglich.
In der Druckvorstufe wird die Stanzkontur als Konturlinie – ausdrücklich nicht als Fläche – in einer speziell benannten Vollton- beziehungsweise Schmuckfarbe angelegt, die üblicherweise den eindeutigen Namen „Stanze“ trägt. Diese Konturfarbe wird auf „Überdrucken“ gestellt, sodass darunterliegende Gestaltungselemente im Druck nicht ausgespart werden und kein ungewollter Weißraum an der Stanzlinie entsteht. Layoutprogramme wie Adobe Illustrator, InDesign oder Affinity Designer werden für die Erstellung verwendet; die fertige Stanzkontur wird anschließend gemeinsam mit den Druckdaten als PDF exportiert. Grafische Elemente, die bis an den Rand des Etiketts reichen sollen, müssen dabei mindestens 2 mm über die Stanzkontur hinausgezogen werden, um nach dem Stanzen sichtbare weiße Blitzer an den Kanten zu vermeiden. Liegt einer Druckerei keine Stanzkontur vor, legt sie in der Regel eine Standard-Stanzkontur an, beispielsweise eine rechteckige Form mit 2 mm Eckenradius, was die individuelle Formgestaltung des Etiketts entsprechend einschränkt.
Für den Etikettendruck hat die Stanzkontur unmittelbare praktische Bedeutung auf mehreren Ebenen. Sie bestimmt die sichtbare Form und Größe des fertigen Etiketts und beeinflusst damit direkt, wie passgenau ein Etikett auf einem Produkt oder Bauteil sitzt. Gleichzeitig wirkt sich die gewählte Konturform auf das eingesetzte Weiterverarbeitungsverfahren aus: Einfache, gleichbleibende Formen werden typischerweise mit der Rotationsstanze verarbeitet, die sich besonders für hohe Auflagen eignet. Komplexe oder häufig wechselnde Konturen können hingegen über Laseranlagen geschnitten werden, was eine höhere Flexibilität und gratfreie Kanten ermöglicht, aber andere Kalkulationsgrundlagen mit sich bringt. Die Wahl zwischen diesen Verfahren hängt also eng mit der in der Druckvorstufe festgelegten Stanzkontur zusammen. Für Käufer von Etiketten bedeutet das: Wer Sonderformen benötigt, sollte die Stanzkontur sorgfältig vorbereiten und die Auswirkungen auf Verfahren und Kosten frühzeitig mit dem Dienstleister abstimmen.