Antikollision und Massenerkennung sind ausschließlich Funktionen von RFID-Systemen. Antikollision bezeichnet die Fähigkeit eines RFID-Lesegeräts, mehrere Transponder, die sich gleichzeitig in seinem Lesefeld befinden und auf derselben Funkfrequenz antworten, getrennt voneinander zu erkennen und auszulesen. Massenerkennung beschreibt darauf aufbauend die Fähigkeit, eine große Anzahl solcher Transponder in kurzer Zeit automatisch zu identifizieren, ohne jeden einzeln ansteuern zu müssen.
Technisch wird dies über Antikollisionsprotokolle im sogenannten Air-Interface des jeweiligen RFID-Standards umgesetzt. Verfahren wie Slotted-ALOHA oder Tree-Verfahren sorgen dafür, dass die Antworten der einzelnen Tags zeitlich oder logisch voneinander getrennt werden, sodass das Lesegerät sie unterscheiden kann. Der in der Logistik und im Handel am weitesten verbreitete Standard ist EPCglobal Class 1 Gen 2, der auch als ISO/IEC 18000-63 normiert ist und explizit Antikollision sowie Inventurverfahren für UHF-RFID regelt. Die übergeordnete ISO/IEC 18000-Reihe umfasst Air-Interface-Spezifikationen für verschiedene Frequenzbänder und bildet die normative Grundlage für diese Mechanismen.
Für den Etikettendruck ist das Thema deshalb unmittelbar relevant, weil RFID-fähige Etiketten, häufig als Smart Labels bezeichnet, als Kombination aus herkömmlichem Klebeetikett und integriertem RFID-Inlay produziert werden. Ein solches Inlay besteht aus einem Mikrochip, einer Antenne aus Aluminium oder Kupfer auf einem Träger aus PET-Folie sowie einer klassischen Haftetikettenkonstruktion mit Obermaterial, Klebstoff und Liner. Auf der Etikettenoberseite können zusätzlich Barcode, Klarschrift und weitere Kennzeichnungen im Thermotransfer- oder Digitaldruckverfahren aufgebracht werden. Beim Druck- oder Spendevorgang wird der RFID-Chip zugleich inline mit eindeutigen Kennnummern wie einer Seriennummer oder einem EPC programmiert.
In der Praxis bedeutet die Antikollisionsfunktion für Anwender in Logistik, Lager und Produktion, dass ganze Paletten, Kartons oder Behälter auf einmal erfasst werden können, ohne jedes Etikett einzeln zu scannen oder eine direkte Sichtlinie herzustellen. Etikettenhersteller müssen deshalb Konstruktionen anbieten, deren Antennen-Layout und Chip-Typ eine zuverlässige Funktion im Stapelbetrieb gewährleisten und die mit den einschlägigen RFID-Standards kompatibel sind. Drucker mit integrierter RFID-Codierfunktion, kombiniert mit Lesegeräten, Antennen und Druck-Spende-Systemen, bilden dabei die maschinelle Grundlage. Käufer müssen sicherstellen, dass ihre Etiketten, Lesegeräte und Software auf dasselbe Frequenzband und denselben Standard abgestimmt sind, damit die Antikollisionsmechanismen im Betrieb korrekt greifen.