Application Identifier

Ein Application Identifier (AI) ist ein standardisierter, zwei- bis vierstelliger numerischer Datenbezeichner, der im GS1-System vor einem Datenelement steht und dessen Bedeutung, Format und Länge eindeutig festlegt. Das Konzept ist fester Bestandteil der GS1-Spezifikationen und bildet die strukturelle Grundlage für Barcodes wie GS1-128, GS1 DataMatrix oder GS1 DataBar. Im GS1-System besteht jedes Datenelement aus dem AI als Präfix und dem eigentlichen Datenfeld.

Technisch gesehen definiert der AI gleichzeitig, welche Information folgt – etwa die GTIN mit AI 01, das Mindesthaltbarkeitsdatum mit AI 15 oder die Chargennummer mit AI 10 –, in welchem Format diese Information vorliegt (numerisch oder alphanumerisch) und ob das Datenfeld eine fixe oder variable Länge besitzt. Bei variabler Datenlänge wird das Sonderzeichen FNC1 als Feldtrenner eingesetzt, damit der Scanner das Ende eines Datenelements und den Beginn des nächsten korrekt erkennt. Im GS1-System existieren über 100 solcher Application Identifier, die Anwendungen von der Produktidentifikation über Datumsangaben und Gewichtsangaben bis hin zu Adressen und Seriennummern abdecken. Ein zentraler Vorteil des Konzepts liegt darin, dass mehrere Datenelemente mit unterschiedlichen AIs in einem einzigen Barcode verkettet werden können – ein GS1-128-Barcode auf einem Versandetikett kann so gleichzeitig Paketnummer, Gewicht, Herstellungsdatum, MHD und Chargennummer in strukturierter Form enthalten.

Für den Etikettendruck hat dies unmittelbare praktische Konsequenzen. Die Etikettensoftware übernimmt die Aufgabe, den zu druckenden Feldern die korrekten AIs zuzuordnen, daraus einen GS1-konformen Barcode zu erzeugen und diesen auf dem Etikett zu platzieren. In der Regel werden die AIs zusätzlich in Klammern im Klartext unter dem Barcode ausgegeben – also etwa (01), (10) oder (15) –, damit auch ein menschlicher Leser erkennt, welche Information sich hinter welchem Datenelement verbirgt. Gedruckt werden solche Etiketten typischerweise auf Papier- oder Kunststoffträgern mit Thermodirekt- oder Thermotransferdruckern, die GS1-Barcodes ausgeben können. Jeder handelsübliche Barcode-Scanner, der CODE 128 lesen kann, ist in der Lage, auch GS1-128 mit seinen AIs zu interpretieren, da GS1-128 diese Symbologie als Träger nutzt. Für Hersteller und Anwender von Etiketten bedeutet das Datenbezeichnerkonzept, dass Geschäftspartner entlang der gesamten Lieferkette dieselben Etiketten mit Standardscannern auslesen und die Daten automatisiert in ihre Warenwirtschafts- oder Lagerverwaltungssysteme übernehmen können – ohne abweichende betriebseigene Kennzeichnungsverfahren. Darüber hinaus ermöglicht das AI-Konzept die Erfüllung logistischer und gesetzlicher Anforderungen, insbesondere im Bereich der Rückverfolgbarkeit von Produkten und Sendungen.