Backscatter, auf Deutsch Rückstreuung, bezeichnet im RFID-Kontext das Verfahren, mit dem ein passiver RFID-Transponder Daten an ein Lesegerät übermittelt: Der Transponder sendet dabei keine eigene Hochfrequenzleistung, sondern verändert die Reflexion des vom Lesegerät ausgesandten Trägersignals durch gezieltes Umschalten seiner Eingangsimpedanz und moduliert so Informationen auf das zurückgestreute Signal. Dieses Prinzip bildet die physikalische Grundlage der Tag-zu-Reader-Kommunikation in passiven UHF-RFID-Systemen.
Technisch ist Backscatter-Modulation in den Normen ISO/IEC 18000-6 bzw. ISO/IEC 18000-63 verbindlich definiert, die das Air-Interface für UHF-RFID im Frequenzbereich von rund 860 bis 960 MHz festlegen. Die EPCglobal-Spezifikation Class 1 Generation 2 (EPC C1G2), die in ISO/IEC 18000-63 eingeflossen ist und die Basis der GS1-RFID-Infrastruktur im Supply-Chain-Umfeld bildet, schreibt dieses Übertragungsverfahren ausdrücklich vor. Ein normkonformer UHF-RFID-Transponder wird ausschließlich durch das eingestrahlte Feld des Readers mit Energie versorgt und antwortet, indem er dieses Feld gerichtete zurückstreut. Der Begriff „Backscatter“ tritt im Etikettendruck ausschließlich in diesem funktechnischen Zusammenhang auf; optische oder drucktechnische Prozesse wie Flexo-, Offset- oder Thermotransferdruck sind davon nicht berührt.
Für die Herstellung und Auswahl von Etiketten ist Backscatter aus mehreren Gründen unmittelbar praxisrelevant. RFID-Etiketten – häufig als Smart Labels bezeichnet – integrieren ein Inlay aus RFID-Chip und Antenne in den konventionellen Etikettenaufbau. Die Antenne besteht meist aus Aluminium, Kupfer oder gedruckter leitfähiger Tinte auf einem Kunststoff- oder Papierträger. Entscheidend ist, dass Materialdicke, Substrat, Klebstofflage und die unmittelbare Umgebung der Antenne die Effizienz der Rückstreuung direkt beeinflussen und damit die erreichbare Lesedistanz bestimmen. Metallische oder stark dämpfende Materialien in der Nähe der Antenne können das zurückgestreute Signal abschwächen oder die Antennenresonanz verstimmen – ein zentrales Problem bei der Kennzeichnung von Metallbauteilen oder Flüssigkeitsbehältern, für die speziell abgestimmte „On-Metal“-RFID-Etiketten erforderlich sind.
Etikettenhersteller müssen deshalb neben der optischen Druckqualität und der Barcode-Lesbarkeit auch die HF-Leistungsfähigkeit ihrer RFID-Etiketten als Qualitätsmerkmal betrachten. RFID-Etikettendrucker, die gleichzeitig den Transponder codieren, arbeiten eng mit dieser Backscatter-Architektur zusammen: Nur ein korrekt beschriebener und im Backscatter-Verhalten einwandfreier Chip ermöglicht zuverlässiges automatisches Auslesen in Fertigung, Lager und Logistik. Käufer von RFID-Etiketten sollten auf die Konformität mit ISO/IEC 18000-63 bzw. EPC C1G2 achten, um Interoperabilität zwischen Etiketten und Lesern unterschiedlicher Hersteller sicherzustellen und eine definierte Backscatter-Performance in der jeweiligen Einsatzumgebung zu gewährleisten.