Chromatizität, Chroma und Farbsättigung bezeichnen im Farbmanagement dasselbe grundlegende Farbmerkmal: die „Buntheit“ oder Intensität eines Farbtons, also den Grad, um den sich eine Farbe von einem achromatischen Reiz – Schwarz, Grau oder Weiß – unterscheidet. Neben Farbton und Helligkeit ist die Sättigung damit eines der drei fundamentalen Farbmerkmale überhaupt. Ein maximaler Chroma-Wert liegt vor, wenn einer Farbe kein Weiß, Grau oder Schwarz beigemischt ist; Entsättigung entsteht durch genau diese Zumischung oder durch eine Komplementärfarbe.
Technisch wird Chroma im CIE-LCh-Farbmodell als Parameter C beschrieben, der sich aus dem international normierten CIE-L*a*b*-Farbraum ableitet. Die Sättigung S lässt sich daraus mathematisch berechnen: S = C / √(C² + L²) × 100 %, wobei L die Helligkeit angibt. In der Praxis des Farbmanagements werden Farbfelder mit einem Spektralfotometer gemessen, die daraus ermittelten Lab-Werte liefern den Chroma-Wert des gedruckten Farbortes. Die Abweichung gegenüber einem Referenz-Lab-Wert wird über ΔE-Metriken bewertet, die auch Chroma-Differenzen einschließen. Auf dieser Messbasis werden ICC-Profile und Farbmanagement-Einstellungen für Drucksysteme erstellt, sodass Monitor, Proof und Drucker farbmetrisch aufeinander abgestimmt sind.
Für den Etikettendruck ist die Kontrolle von Chroma und Sättigung aus mehreren Gründen direkt relevant. Erstens beeinflusst das eingesetzte Substrat die erreichbare Sättigung erheblich: Papier und Folie, beschichtete und unbeschichtete Oberflächen unterscheiden sich in Farbaufnahme, Glanz und Weißpunkt, weshalb Kalibrierungen und Profile materialspezifisch erstellt werden müssen. Zweitens arbeiten sowohl subtraktive CMYK-Druckverfahren als auch digitale Tintenstrahlsysteme mit begrenzten Farbräumen; welche Chroma-Werte auf einem bestimmten Material reproduzierbar sind, definiert den Gamut des jeweiligen Systems. Drittens lässt sich die Sättigung bei Farbetikettensystemen direkt über Treiber- oder RIP-Einstellungen anpassen, um auf unterschiedliche Substrate oder Kundenanforderungen zu reagieren.
Für Druckereien bedeutet das: Ohne gezielte Kalibrierung und Profilierung können Chroma-Abweichungen auftreten, die Markenfarben entweder zu blass oder zu kräftig erscheinen lassen, was Qualität und Wahrnehmung des Etiketts beeinträchtigt. Für Etikettennutzer – etwa Markeninhaber oder Industriekunden – schafft die farbmetrische Erfassung von Chroma eine objektive Grundlage, um gelieferte Etiketten anhand definierter ΔE-Toleranzen zu prüfen und medienübergreifend konsistente Farbwirkung sicherzustellen.