Ein Closed-Loop-System, auf Deutsch geschlossener Kreislauf, bezeichnet im Kontext des Etikettendrucks ein System, in dem eingesetzte Materialien nach ihrem Gebrauch gezielt zurückgewonnen, aufbereitet und wieder zu Etikettenmaterial derselben Spezifikation verarbeitet werden. Der Kreislauf gilt als „geschlossen“, wenn das recycelte Material nicht mit anderen Stoffströmen vermischt wird und als Sekundärrohstoff für dasselbe Produkt dient. Avery Dennison definiert dieses Prinzip ausdrücklich als Baustein nachhaltiger Etikettenlösungen.
Technisch setzt ein funktionierender Closed Loop mehrere aufeinander abgestimmte Schritte voraus: sortenreine Sammlung der verbrauchten Materialien, Reinigung und Aufbereitung, Regranulierung oder Aufschluss zu Sekundärrohstoff sowie dessen erneuten Einsatz in der Produktion. Im Verpackungsbereich existieren solche Kreisläufe bereits für HDPE-Flaschen, bei denen gebrauchte Behälter gesammelt, gewaschen, zu HDPE-PCR-Rezyklat verarbeitet und anschließend zu neuen Flaschen extrudiert werden. Ähnliche Konzepte werden für Kunststofffolienabfälle angewendet, aus denen neue Folien mit Rezyklatanteilen bis zu 100 Prozent entstehen können. Für papierbasierte Komponenten, insbesondere Release-Liner aus Etikettieranlagen, existieren Sammelprogramme, die das Trägerpapier in den Faserstoffkreislauf zurückführen.
Für den Etikettendruck ist das Closed-Loop-Prinzip auf zwei Ebenen relevant. Erstens können Etikettenmaterialien selbst Bestandteil eines definierten Kreislaufs sein: Etikettenfolien aus HDPE, PP oder PET lassen sich in entsprechende Recyclingsysteme einbinden, und Release-Liner aus Papier können über organisierte Rücknahmesysteme dem Papierrecycling zugeführt werden. Zweitens müssen Etiketten, die auf Verpackungen mit geschlossenem Recyclingkreislauf zum Einsatz kommen, mit diesem Kreislauf kompatibel sein. Sind Etikettenfolie, Klebstoff oder Druckfarben nicht recyclingfähig im Sinne des jeweiligen Systems, stören sie den geschlossenen Kreislauf der Verpackung. Das Konzept „Design for Recycling“ ist daher unmittelbar mit dem Closed-Loop-Gedanken verbunden: Materialwahl, Klebstoffsystem und Druckfarben müssen so abgestimmt werden, dass die etikettierte Verpackung sortenrein recyclierbar bleibt. Normativ wird dieser Rahmen unter anderem durch DIN EN 13430 für recyclingfähige Verpackungen, DIN EN 17615 für Kreislaufwirtschaftsbegriffe bei Kunststoffen sowie die ISO 59004 zur Kreislaufwirtschaft insgesamt abgebildet. Für Lebensmittelverpackungen gilt zusätzlich die EU-Verordnung 2022/1616, die Anforderungen an Rezyklate im Lebensmittelkontakt regelt und damit auch für Etikettenmaterialien in diesen Kreisläufen bindend ist.