Codabar

Codabar ist eine lineare, eindimensionale (1D) Barcode-Symbologie, die 1972 von Pitney Bowes/Monarch Marking Systems entwickelt wurde. Sie ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, darunter NW-7, Code 2 of 7, Ames Code und USD-4, und wurde von Anfang an so konzipiert, dass sie auch mit einfachen Nadeldruckern zuverlässig erzeugt und gelesen werden kann.

Technisch basiert Codabar auf einem Zwei-Strichbreiten-Prinzip: Jedes Zeichen besteht aus sieben Elementen – vier Balken und drei Lücken –, die in schmale und breite Varianten kombiniert werden. Das Verhältnis breit zu schmal liegt typischerweise zwischen 1:2,25 und 1:3. Der kodierbare Zeichenvorrat ist bewusst kompakt gehalten: Ziffern 0–9, die Sonderzeichen – $ : / . + sowie die Buchstaben A, B, C und D, die ausschließlich als Start- und Stoppzeichen dienen. Damit lassen sich insgesamt 16 verschiedene Zeichen darstellen. Zwischen einzelnen Zeichen ist eine definierte Trennlücke vorgeschrieben, damit Scanner die Symbole eindeutig voneinander abgrenzen können. Die Symbologie ist in der ANSI/AIM BC3-1995-Spezifikation beschrieben; Varianten wie Codabar ANSI und Codabar Monarch unterscheiden sich in den zulässigen Strichbreiten.

Für den Etikettendruck ist Codabar vor allem in zwei Bereichen bis heute relevant: im Gesundheitswesen – insbesondere Blutbanken, wo die American Blood Commission 1977 „Codabar 2″ als Kennzeichnungsstandard für Blutkonserven festlegte – sowie in Bibliotheken zur Kennzeichnung von Büchern und Medien. Historisch kam Codabar zudem in der Logistik, auf Luftfrachtbriefen sowie in Fotolabors und für die Preisauszeichnung im Einzelhandel zum Einsatz. Druckverfahren spielen bei der Wahl der Symbologie keine Rolle: Ob Thermotransfer, Thermodirekt, Flexo- oder Digitaldruck – alle gängigen Verfahren können Codabar-Etiketten produzieren, da die Symbologie als einfache 1D-Struktur keine besonderen Anforderungen an das Druckverfahren stellt. Entscheidend sind stattdessen die korrekte Einhaltung der Ratio, ausreichende Ruhezonen links und rechts des Codes sowie eine scharfe Strichdarstellung auf dem gewählten Etikettenmaterial.

Für Hersteller und Käufer von Etiketten ergeben sich daraus konkrete Abwägungen. Der begrenzte Zeichenvorrat bedeutet, dass Codabar ausschließlich für numerisch orientierte Kennzeichnungen geeignet ist; komplexe alphanumerische Inhalte lassen sich nicht abbilden. Gegenüber modernen High-Density-Codes wie Code 128 benötigt Codabar mehr Fläche für dieselbe Datenmenge, was bei der Etikettenkonstruktion berücksichtigt werden muss. Fachquellen berichten zudem von einer relativ höheren Fehleranfälligkeit gegenüber neueren Symbologien, weshalb Codabar außerhalb seiner Stammbranchen zunehmend durch Code 128 oder GTIN-basierte Codes abgelöst wird. In Umgebungen, in denen Codabar normativ vorgeschrieben oder infrastrukturell tief verankert ist, bleibt die Symbologie dagegen wirtschaftlich sinnvoll: Ein Systemwechsel würde Anpassungen an Software, Scannerkonfiguration und Etikettenlayout erfordern, die den Nutzen moderner Alternativen unter Umständen aufwiegen.