Delta E 94 (auch ΔE94 oder CIE94) ist eine mathematische Formel zur Berechnung des Farbabstands zwischen zwei Farben im CIELAB-Farbraum, die die CIE im Jahr 1994 eingeführt hat. Sie verbessert die ältere CIE76-Formel, indem sie Helligkeit, Chroma und Farbton mit separaten Gewichtungs- und Skalierungsfaktoren berechnet, anstatt einfach den euklidischen Abstand zweier Farborte zu ermitteln. Das Ergebnis ist eine Kennzahl, die angibt, wie stark zwei Farben voneinander abweichen – je kleiner der Wert, desto ähnlicher sind die Farben.
Die technische Grundlage bildet der CIELAB-Farbraum, in dem jede Farbe über drei Koordinaten beschrieben wird: L* für die Helligkeit sowie a* und b* für die Farbachsen Grün–Rot und Blau–Gelb. Während CIE76 aus diesen Werten einen kugelförmigen Toleranzbereich erzeugt, entstehen bei Delta E 94 elliptische Toleranzkörper, weil Helligkeit, Chroma und Farbton unterschiedlich gewichtet werden. Diese elliptischen Körper entsprechen besser der tatsächlichen menschlichen Farbwahrnehmung. In der Praxis liefern Spektralfotometer die gemessenen Lab-Werte eines gedruckten Farbfelds, aus denen die Software den Delta-E-94-Wert zur Referenzfarbe berechnet. Neben CIE94 sind auch die Formeln CIE76, CIEDE2000 und Delta-E-CMC gebräuchlich; CIE94 gilt dabei als besonders geeignet für grafische Anwendungen.
Im Etikettendruck ist Delta E 94 ein zentrales Werkzeug der Qualitätssicherung. Druckereien und Etikettenproduzenten setzen es ein, um gedruckte Farben mit Referenzwerten zu vergleichen – sei es eine Markenfarbe, eine Pantone-Vorgabe oder ein ISO-Druckstandard. Dabei wird die Norm ISO 12647-7 als Referenz herangezogen, die konkrete Grenzwerte für farbverbindliche Proofs festlegt: Das mittlere Delta E aller Farbfelder darf maximal 3 betragen, einzelne Farbfelder maximal 5. Für die Interpretation gilt branchenübergreifend: Ein Delta-E-Wert zwischen 0 und 1 ist in der Praxis nicht wahrnehmbar, Werte zwischen 1 und 2 gelten als sehr gute Qualität, und ab einem Wert von 3 wird der Farbunterschied deutlich sichtbar und ist in vielen Druckanwendungen nicht akzeptabel. Auftraggeber – etwa Marken oder Industrieunternehmen – können Delta-E-Grenzwerte vertraglich in Etiketten-Spezifikationen verankern und Messprotokolle als objektiven Nachweis der Farbtreue einfordern. Das ist besonders relevant, wenn Etiketten auf unterschiedlichen Materialien wie Papier oder Kunststofffolien gedruckt werden, da das Substrat die Farbwiedergabe beeinflusst. Delta E 94 macht diese Abweichungen messbar und vergleichbar – unabhängig von subjektiver Beurteilung.