Dispersionsklebstoff

Ein Dispersionsklebstoff ist ein wasserbasierter Klebstoff, bei dem die Klebstoffbestandteile fein verteilt in Wasser als Dispersionsmedium vorliegen. Der Wasseranteil beträgt typischerweise 40 bis 70 Gewichtsprozent. Wie Klebstoffe allgemein nach DIN EN 923 definiert werden, handelt es sich um einen nichtmetallischen Werkstoff, der Fügeteile durch Adhäsion und Kohäsion verbinden kann.

Der Bindungsmechanismus läuft in zwei Phasen ab: Nach dem Auftragen bricht die Dispersion auf, das Wasser verdunstet oder entweicht durch ein wasserdurchlässiges Substrat, und die Klebstoffbestandteile nähern sich einander an, bis sie einen zusammenhängenden Film bilden, der die Fügeteile dauerhaft verbindet. Zur gezielten Verbesserung von Adhäsion und Kohäsion kann dem System ein Vernetzer, etwa Isocyanat, zugesetzt werden. Eine wesentliche verarbeitungstechnische Einschränkung ergibt sich daraus, dass mindestens eines der zu verklebenden Substrate wasserdurchlässig sein muss; andernfalls kann das Wasser nicht entweichen, und die Aushärtung verzögert sich erheblich.

Im Etikettendruck findet der Dispersionsklebstoff seinen Einsatz als Klebstoffschicht selbstklebender Etiketten, die aus drei Grundkomponenten bestehen: Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial. Als wasserbasiertes System bringt er gegenüber lösemittelhaltigen Alternativen konkrete Sicherheitsvorteile mit sich: Er ist weder brand- noch explosionsgefährlich und setzt keine gesundheitlich bedenklichen Lösemitteldämpfe frei. Das macht ihn in der Etikettenherstellung unter Arbeitsschutz- und Umweltgesichtspunkten zu einer beachtenswerten Option.

Für Hersteller und Käufer von Etiketten sind jedoch auch die Grenzen dieses Klebstofftyps relevant. Dispersionsklebstoffe benötigen im Vergleich zu anderen Klebstofftechnologien mehr Zeit oder Energie zum Abbinden. Sie reagieren empfindlich auf Frost, was bei Transport und Lagerung zu berücksichtigen ist. Ein weiterer praktischer Hinweis: Da bei der Herstellung häufig gewöhnliches Leitungswasser verwendet wird, kann es bei längerer Lagerung unter bestimmten Bedingungen zu Schimmelbefall kommen. Besonders kritisch ist das Verhalten gegenüber Feuchtigkeit im späteren Einsatz: Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder direkter Wassereinwirkung auf die fertig verklebten Etiketten besteht eine ausgeprägte Empfindlichkeit, die im Extremfall zum vollständigen Versagen der Verklebung führen kann. Ebenso ist Vorsicht geboten, wenn das Substrat, auf dem das Etikett haftet, korrosionsanfällig unter Wassereinwirkung ist. Wer Etiketten für feuchte Umgebungen, Kühlprodukte oder Außenanwendungen auswählt, muss diese Einschränkungen bei der Klebstoffwahl ausdrücklich berücksichtigen.