Ein Fälschungsschutzlabel ist ein selbstklebendes oder in eine Verpackung integriertes Sicherheitsetikett, das durch spezielle Materialien, Konstruktionen oder Druckmerkmale die Echtheit eines Produktes bestätigt und Fälschungen sowie unbefugte Manipulationen erkennbar macht. Es vereint Authentifizierungs- und Manipulationsschutzfunktionen in einem einzigen Etikett und richtet sich damit sowohl gegen das unbemerkte Übertragen eines Etiketts auf ein Fälschungsprodukt als auch gegen das unbemerkte Öffnen einer Originalverpackung.
Technisch basiert das Fälschungsschutzlabel auf drei Kategorien von Sicherheitsmerkmalen: offenen, verdeckten und digitalen. Offene Merkmale sind mit bloßem Auge erkennbar, etwa Hologrammfolien, die aufgrund ihres optisch variablen Druckes weder mit Farbdruckern reproduzierbar noch kopierbar sind, oder sogenannte Void-Muster, die beim ersten Ablöseversuch einen Schriftzug wie „VOID“ dauerhaft im Etikett und auf dem Untergrund hinterlassen. Verdeckte Merkmale, zum Beispiel mit Invisible-Ink gedruckte Texte oder Codes, sind erst unter UV-Licht sichtbar. Digitale Merkmale ermöglichen in Kombination mit Serialisierung eine Echtheitsprüfung und Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette. Daneben existieren selbstzerstörende Materialien: Spezielle Folien oder Papiere zerreißen beim Ablösen, sodass das Etikett nicht intakt auf ein anderes Produkt übertragen werden kann. Tamper-Evident-Konstruktionen mit Sicherheitsstanzungen am Etikettenrand verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Für den Etikettendruck hat dies unmittelbare Konsequenzen bei der Material- und Verfahrenswahl. Hersteller benötigen Void- und Security-Pattern-Materialien mit speziell abgestimmten Sicherheitsklebstoffen, transparente Sicherheitsfolien sowie holografische Folien. Im Druckprozess kommen Digitaldruckmaschinen für variablen Datendruck und den Einsatz von Invisible-Ink-Farben zum Einsatz, ergänzt durch Etikettenverarbeitungs- und Stanzanlagen für die Sicherheitsstanzungen. In der Praxis werden mehrere Sicherheitsmerkmale kombiniert, um das Schutzniveau zu erhöhen. Normativ relevant ist für pharmazeutische Anwendungen die EU-Fälschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU, die seit Februar 2019 für Humanarzneimittel ein individuelles Erkennungsmerkmal und einen Manipulationsnachweis an der Umverpackung verpflichtend vorschreibt. Ergänzend legt die ISO 21976 Anforderungen an die Originalitätssicherung von Arzneimittelverpackungen fest. Eingesetzte Rohstoffe können zudem den Anforderungen der UL969A:2020 entsprechen sowie REACH- und RoHS-konform ausgelegt sein. Neben der Pharmaindustrie sind Lebensmittel, Kosmetik, Medizintechnik und hochwertige Markenprodukte typische Einsatzbereiche, in denen Fälschungsschutzlabels als Garantiesiegel oder Erstöffnungsindikator dienen.