Im Etikettendruck bezeichnet „Farbe“ gleichzeitig zwei eng miteinander verbundene Dinge: den farbmetrisch messbaren visuellen Eindruck, der sich als eindeutiger Punkt in einem standardisierten Farbraum beschreiben lässt, sowie das drucktechnische Farbmittel – also die Druckfarbe oder Tinte –, das diesen Eindruck auf dem Etikettenmaterial erzeugt. Beide Bedeutungen sind im Produktionsprozess untrennbar miteinander verknüpft.
Die präziseste Methode, eine Farbe geräteunabhängig zu beschreiben, liefert der CIELAB-Farbraum. In diesem dreidimensionalen Koordinatensystem erhält jede Farbe einen eindeutigen Ort über drei Werte: L* für die Helligkeit, a* für die Rot-Grün-Achse und b* für die Gelb-Blau-Achse. Da LAB nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden ist, dient es als gemeinsame Referenzsprache im Farbmanagement. Auf dieser Basis werden Farben zwischen geräteabhängigen Farbräumen wie RGB – etwa für Bildschirmdesigns – und CMYK für den Druckprozess umgerechnet. ICC-Profile beschreiben dabei den Farbraum, den ein bestimmtes Gerät oder ein Druckprozess tatsächlich wiedergeben kann, und bilden die technische Grundlage für diese geräteübergreifende Kommunikation. Im Etikettendruck kommen sowohl der CMYK-Vierfarbdruck als auch Sonderfarben nach Systemen wie Pantone zum Einsatz, wobei die Zielfarbe idealerweise zunächst als LAB-Wert definiert und daraus die passende CMYK- oder Sonderfarbendefinition abgeleitet wird.
Für den Etikettendruck ist eine saubere Farbdefinition aus mehreren Gründen entscheidend. Unterschiedliche Materialien wie Papier, beschichtete Folien oder ungestrichene Bedruckstoffe reagieren auf denselben Farbauftrag unterschiedlich – weshalb Farbprofile und Referenzen stets materialspezifisch gewählt werden müssen. Vor der eigentlichen Produktion werden farbverbindliche Proofs nach ISO 12647-7 erstellt, um zu prüfen, ob die gedruckten Farben der definierten Zielfarbe entsprechen. Im laufenden Druck messen Spektralfotometer die LAB-Werte und überwachen die Einhaltung vereinbarter Toleranzen. Für Markeninhaber bedeutet konsequentes Farbmanagement, dass ihre Markenfarben über verschiedene Auflagen, Lieferanten und Materialien hinweg konsistent reproduzierbar sind – was unmittelbar die Wiedererkennbarkeit der Produkte im Regal beeinflusst. Druckereien profitieren auf der anderen Seite davon, dass eine über LAB definierte Farbe auf neue Drucker oder geänderte Druckstoffe übertragen werden kann, ohne den Farbeindruck zu verlieren. Ohne Farbmanagement entstehen messbare Farbabweichungen, die Qualität und Wahrnehmung der Etiketten beeinträchtigen und zu Reklamationen führen können.