Flüssigklebstoffe sind Klebstoffsysteme, die in flüssiger oder pastöser Form verarbeitet und erst nach dem Auftragen verfestigt werden. Im Etikettierbereich umfasst der Begriff sowohl Klebstoffe, die bereits bei der Etikettenherstellung auf das Trägermaterial aufgebracht werden, als auch solche, die erst im laufenden Etikettierprozess appliziert werden. Sie unterscheiden sich damit grundlegend von druckempfindlichen Selbstklebeetiketten, bei denen der Klebstoff bereits als fertige Schicht vorliegt.
Eingesetzt werden im Wesentlichen drei Klebstoffchemien: Naturkautschuk-Klebstoffe, bei denen Kautschuk mit Lösemittel aufgequollen und durch Harze sowie Additive in eine klebrige Masse überführt wird; Synthesekautschuk-Klebstoffe mit vergleichbarem Aufbau auf Basis künstlich hergestellter Kautschuke; sowie Polyacrylat-Klebstoffe, die aus Dispersion oder Lösung verarbeitet und mit Additiven modifiziert werden. Im industriellen Etikettieren kommen Flüssigklebstoffe im engeren Sinn vor allem beim sogenannten Kaltleim- oder Nassleim-Etikettieren zum Einsatz: Ein nicht-selbstklebendes Papier- oder Folienetikett wird aus einem Magazin zugeführt, der Flüssigklebstoff maschinell auf die Etikettenrückseite oder direkt auf den Untergrund aufgetragen, und das Etikett anschließend angepresst.
Für den Etikettendruck ist die Klebstoffwahl aus mehreren Gründen von direkter Bedeutung. Zunächst bestimmt der Klebstoff, ob ein Etikett auf einem bestimmten Untergrund – Glas, Metall, Kunststoff, raue oder niederenergetische Oberflächen – dauerhaft haftet oder sich gezielt wieder ablösen lässt. Das Etikett muss als Gesamtverbund aus Obermaterial, Klebstoffschicht und gegebenenfalls Liner mit dem vorgesehenen Druckverfahren kompatibel sein, sei es Thermotransfer-, Flexo- oder Digitaldruck. Darüber hinaus stellen normative Vorgaben konkrete Anforderungen an die Haftleistung: Die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 schreibt vor, dass Etiketten auf Gefahrstoffverpackungen fest angebracht und bei normaler Handhabung nicht ablösbar sein müssen. Der britische Standard BS 5609 für seewasserbeständige Etiketten prüft die Haftung des Klebstoffs ausdrücklich als Teil der Gesamtkonformität. In der industriellen Kennzeichnung – etwa an Schaltschränken, Kabeln oder Betriebsmitteln – entscheidet die Klebstoffauslegung über die Langzeitbeständigkeit gegenüber Temperatur, Feuchtigkeit, Chemikalien und mechanischer Beanspruchung. Käufer von Etiketten sind daher gut beraten, nicht nur das Obermaterial, sondern auch das Klebstoffsystem auf den konkreten Anwendungsfall und die geltenden Normen abzustimmen.