ISO/IEC 15415, ISO/IEC 15416 und ISO/IEC TR 29158 sind internationale Normen zur messtechnischen Qualitätsbewertung von Barcodes und 2D-Codes auf gedruckten Etiketten, Verpackungsmaterialien und direkt markierten Bauteilen. Sie legen einheitliche Prüfverfahren, Messgrößen und Qualitätsskalen fest, anhand derer die Lesbarkeit und Druckqualität von Codes objektiv bewertet werden kann.
ISO/IEC 15416 ist die maßgebliche Norm für lineare Barcodes (1D-Strichcodes) und wird hauptsächlich zur Beurteilung von Codes auf Etiketten eingesetzt, etwa EAN/UPC oder Code 128 auf Verpackungsetiketten. Ein Verifizierer scannt den Barcode mehrfach und bewertet dabei Parameter wie Symbolkontrast, Modulation, Defekte und Ruhezonenbreite. Das Ergebnis wird als Qualitätsgrad von A bis F ausgedrückt, wobei die numerischen Gütewerte von 4,0 bis 0,0 reichen. ISO/IEC 15415 erfüllt dieselbe Funktion für zweidimensionale Codes wie DataMatrix oder QR-Codes auf gedruckten Etiketten und Verpackungsmaterialien. Sie bewertet Kriterien wie Kontrast, Modulation, Zellkontrast und Defekte und wurde erstmals 2004 veröffentlicht, 2011 überarbeitet und zuletzt 2024 aktualisiert. ISO/IEC TR 29158, hervorgegangen aus der AIM DPM Guideline von 2006 und 2011 als ISO-Standard übernommen, ergänzt dieses Normengefüge für den Sonderfall des Direct Part Marking, bei dem 2D-Matrixcodes ohne Etikett direkt per Laser, Nadel oder Tinte auf Metall oder Kunststoff aufgebracht werden. TR 29158 baut inhaltlich auf ISO/IEC 15415 auf, verwendet jedoch angepasste Berechnungsverfahren für Schwellenwerte, Kontrast und Prüfblende, um den besonderen Bedingungen direkt markierter Oberflächen gerecht zu werden.
Für den Etikettendruck sind diese Normen aus mehreren Gründen unmittelbar relevant. Erstens schaffen sie eine gemeinsame Prüfsprache zwischen Etikettenherstellern, Druckdienstleistern und Endkunden: Messbare Größen wie Symbolkontrast, Defekte und Ruhezonenbreite ermöglichen nachweisbare Fehlerursachenanalysen bei Lesefehlern und reduzieren Streitfälle bei der Abnahme. Zweitens machen die Bewertungsmetriken die Auswirkung von Etikettenmaterial, Druckverfahren und Kontrastverhältnissen auf die Codequalität sichtbar, sodass Hersteller Papier- oder Folienmaterialien und Druckparameter so auslegen können, dass die geforderten ISO-Qualitätsgrade erreicht werden. Drittens müssen Hersteller und Prüfdienstleister im Projektfall klar unterscheiden, ob die Anforderungen sich auf gedruckte Etiketten-Codes nach ISO/IEC 15415 oder 15416 beziehen oder auf direkt markierte Bauteile nach ISO/IEC TR 29158, da die Prüfmethoden und Berechnungsgrundlagen trotz inhaltlicher Verwandtschaft voneinander abweichen. Da ISO/IEC 15415 zuletzt 2024 überarbeitet wurde, besteht für Prüfdienstleister und Hersteller zudem laufender Aktualisierungsbedarf bei Software und Prozessen.