Kaltfolientransfer, im Englischen als Cold Foil bezeichnet, ist ein drucktechnisches Veredelungsverfahren, bei dem eine metallisierte Lackschicht von einer Trägerfolie ohne Wärmezufuhr auf ein Bedruckmaterial übertragen wird. Die Übertragung erfolgt bei Raumtemperatur durch einen zuvor gedruckten Klebstofffilm, wodurch eine metallisch glänzende Oberfläche entsteht, ohne dass eine thermische Prägung oder Materialverformung stattfindet. Der optische Effekt ähnelt dem einer Heißfolienprägung, jedoch ohne die charakteristische fühlbare Vertiefung im Material.
Technisch wird das Verfahren typischerweise mit zwei zusätzlichen Druckwerken einer Offsetdruckmaschine realisiert. Im ersten Druckwerk wird ein spezieller Kaltfolien-Klebstoff mittels einer Standarddruckform präzise auf das Substrat aufgetragen. Im zweiten Druckwerk führt eine Folientransferstation die Kaltfolie in den Druckspalt; die Transferschichten, bestehend aus einer Aluminiumschicht, einer Schutzlackschicht und einer Haftschicht, lösen sich von der Trägerfolie und haften adhäsiv an der Klebstoffschicht. Da für den Klebstoffauftrag eine konventionelle Druckform genutzt wird, lassen sich auch feine Linienelemente ab etwa 0,25 Punkt und Schriften ab etwa 4 bis 5 Punkt mit metallischem Effekt reproduzieren. Anschließend kann die metallisierte Fläche inline mit konventionellen, UV- oder Hybridfarben überdruckt werden, sodass aus einer einzigen Silberfolie nahezu jeder Metallicfarbton erzeugt werden kann, etwa durch Überdruck mit Gelb- und Magentaanteilen für Goldtöne.
Für den Etikettendruck ist das Verfahren aus mehreren Gründen praxisrelevant. Im Schmalbahndruck wird Kaltfolientransfer vorrangig für selbstklebende Kunststoffetiketten aus Polyethylen oder Polypropylen eingesetzt, da glatte, wenig saugfähige Substrate eine zuverlässige Folienhaftung gewährleisten. Recyclingpapiere, stark strukturierte oder ungestrichene Naturpapiere sind hingegen weniger geeignet, weil die Haftung dort reduziert und das Druckbild unruhig sein kann. Typische Anwendungsfelder sind Premium-Etiketten in der Kosmetik-, Getränke- und Lebensmittelbranche sowie der Sicherheits- und Verpackungsdruck, wo feine metallische Elemente auch als Sicherheitsmerkmal dienen. Da die Veredelung vollständig inline im Druckprozess integrierbar ist, entfallen externe Veredelungsschritte, was die Prozesskette verkürzt. Gegenüber der Heißfolienprägung entfallen zudem kostenintensive Prägewerkzeuge, was das Verfahren besonders bei wechselnden Motiven wirtschaftlich macht. Zu beachten ist, dass kaltfolienveredeltes Material empfindlich auf mechanische Beanspruchung reagiert; ein zusätzlicher Schutz durch Dispersions- oder UV-Lack beziehungsweise eine Folienkaschierung wird daher empfohlen, wenn die Etiketten erhöhten Belastungen ausgesetzt sind.