Klarer Klebstoff bezeichnet im Etikettendruck einen Haftklebstoff (Pressure Sensitive Adhesive, PSA), dessen Klebstoffschicht nach dem Aufbringen farblos und optisch transparent bleibt. Es handelt sich nicht um eine normativ festgelegte Bezeichnung, sondern um einen fachsprachlichen Begriff für optisch klare PSA-Systeme, die überwiegend auf Acrylat-Basis formuliert sind.
Haftklebstoffe im Allgemeinen verbinden Fügeteile durch das Zusammenwirken von Adhäsion, also der Haftung zur Oberfläche, und Kohäsion, der inneren Festigkeit des Klebstoffs selbst. Sie aktivieren sich durch einfachen Druckauftrag, ohne Wärme oder Lösungsmittel zu benötigen. Bei klaren Klebstoffen wird diese Grundtechnologie durch eine spezifische optische Formulierung ergänzt: Die Klebstoffschicht soll nach Applikation weder trüben noch einen sogenannten Milchschleier erzeugen. Acrylat-Haftklebstoffe eignen sich für diesen Zweck besonders gut, da sie sich als Dispersionssystem oder UV-vernetzende Variante in hoher optischer Reinheit verarbeiten lassen und zugleich eine gute UV-Beständigkeit aufweisen. Kautschuk-basierte Systeme sind zwar ebenfalls als Etikettenklebstoffe verbreitet, gelten jedoch als optisch weniger klar und UV-stabiler als spezialisierte Acrylat-Formulierungen.
Im Etikettendruck ist der klare Klebstoff vor allem dann relevant, wenn das Obermaterial selbst transparent ist, etwa bei klaren PP- oder PET-Folien. Solche Etiketten werden auf Glasflaschen, Kunststoffverpackungen oder Metalloberflächen eingesetzt und sollen dort einen sogenannten No-Label-Look erzeugen, bei dem Etikett und Klebstoff optisch in den Hintergrund treten und das Produktdesign oder der Untergrund sichtbar bleibt. Jede Trübung in der Klebstoffschicht würde diesen Effekt direkt beeinträchtigen. Für hochwertige Produktkennzeichnungen in den Bereichen Kosmetik, Getränke oder Premium-Verpackungen ist die optische Klarheit des Klebstoffs daher ein entscheidendes Auswahlkriterium, das gleichrangig neben Haftleistung und Substratverträglichkeit steht.
Etikettenhersteller müssen bei der Materialauswahl den Klebstofftyp, die Verarbeitungsform und die optischen Eigenschaften aufeinander abstimmen. Die klare Klebstoffvariante verändert dabei den grundsätzlichen Aufbau des Haftverbunds nicht: Obermaterial, Klebstoffschicht und silikonisierter Liner bleiben als Schichtfolge erhalten und werden in denselben Rollendruckverfahren sowie auf denselben Etikettiermaschinen verarbeitet wie konventionelle Materialien. Käufer von Etiketten sollten beachten, dass klare Klebstoffsysteme sowohl als permanent haftende als auch als ablösbare Variante erhältlich sind, und die Wahl des Klebstoffs grundsätzlich an den jeweiligen Untergrund sowie die Anforderungen an Temperatur, Feuchtigkeit und mögliche Lebensmittel- oder Pharmakontaktzulassungen angepasst werden muss. Vor dem Serieneinsatz empfehlen Fachquellen Klebetests unter Praxisbedingungen, um die tatsächliche Endhaftung zu beurteilen.