Ein Kohäsionsbruch bezeichnet in der Klebtechnik ein Versagen innerhalb des Klebstofffilms selbst: Der Klebstoff reißt in sich, während er gleichzeitig auf beiden Fügeteilen – also auf dem Etikett und dem beklebten Untergrund – haften bleibt. Entscheidend ist dabei, dass die Adhäsion des Klebstoffs zum Substrat größer ist als seine innere Festigkeit, die sogenannte Kohäsion. Nach dem Bruch sind beide Oberflächen noch vollständig mit Klebstoffresten bedeckt; keine der Substratoberflächen liegt frei.
In der klebtechnischen Praxis wird das Bruchbild nach standardisierten Prüfverfahren wie Zug- oder Schälversuchen beurteilt. Die Norm DIN EN ISO 10365 klassifiziert dabei verschiedene Brucharten, darunter Adhäsionsbruch, Kohäsionsbruch im Klebstoff und Mischbruch. Ein Kohäsionsbruch bei klebstofftypischen Festigkeitswerten gilt als Hinweis auf eine qualitativ hochwertige Klebung, weil er zeigt, dass die Grenzfläche zwischen Klebstoff und Substrat stärker ist als der Klebstofffilm selbst. Tritt ein Kohäsionsbruch hingegen bei zu niedrigen Kräften auf, deutet dies auf interne Schwächen des Klebstoffs hin – etwa durch unzureichende Formulierung, fehlerhafte Verarbeitung oder ungeeignete Lagerung.
Für den Etikettendruck ist der Kohäsionsbruch in mehrfacher Hinsicht relevant. Beim Entfernen von Haftetiketten tritt er in der Praxis sehr häufig auf: Der Klebstoff löst sich nicht vollständig mit dem Etikett ab, sondern reißt in sich und hinterlässt Rückstände auf dem beklebten Untergrund, sei es Glas, Kunststoff oder Metall. Diese Rückstände erfordern den Einsatz spezieller Klebstoffentferner sowie zusätzliche Reinigungs- und Einwirkzeiten. Für Anwender in Industrie, Handel und Logistik bedeutet das einen messbaren Mehraufwand, wenn Behälter, Maschinen oder Produkte wiederaufbereitet werden sollen. Gleichzeitig schützt der Kohäsionsbruch die Substratoberfläche selbst vor Beschädigungen, da der Bruch ausschließlich im Klebstofffilm erfolgt.
Für Etikettenhersteller und Formulierer von Haftklebern ist die Bruchbildanalyse ein werkzeug der Qualitätssicherung. Sie zeigt, ob Klebstoffwahl, Beschichtungsprozess und Trocknung eine ausreichende innere Festigkeit des Klebers sicherstellen. Tritt ein unkontrollierter Kohäsionsbruch im Feldeinsatz auf – etwa durch Temperaturwechsel oder mechanische Überlastung – kann das Etikett verlorengehen oder Rückstände auf dem Produkt verbleiben, was nachfolgende Prozesse wie automatisches Scanning oder Rückverfolgbarkeit beeinträchtigt. Die systematische Bruchbildbeurteilung nach DIN EN ISO 10365 hilft dabei, Ursachen wie einen zu weichen Klebstoff oder einen ungeeigneten Untergrund gezielt zu identifizieren und die Klebstoffformulierung entsprechend anzupassen.