Lichtechtheit bei Druckfarben

Lichtechtheit bei Druckfarben bezeichnet die Widerstandsfähigkeit einer Druckfarbe bzw. eines Druckbildes gegen die Einwirkung von Licht, ohne Berücksichtigung von Witterungseinflüssen wie Regen oder Luftverschmutzung. Praktisch gesagt gibt die Lichtechtheit an, wie lange eine Farbe Sonnen- oder Tageslicht ausgesetzt sein kann, bevor eine mit dem menschlichen Auge wahrnehmbare Farbveränderung – etwa Verblassen oder ein veränderter Farbton – eintritt. Die maßgeblichen Normen sind DIN 16525, die die Bestimmung der Lichtechtheit von Drucken und Druckfarben im grafischen Bereich regelt, sowie DIN 54003, die den Begriff der Lichtechtheit für Normdruckproben definiert.

Die Bewertung der Lichtechtheit erfolgt anhand der Wollskala (auch Blue Wool Scale genannt), die nach DIN 53952 acht Stufen umfasst: Stufe 1 steht für sehr geringe, Stufe 8 für hervorragende Lichtechtheit. Zur Prüfung werden Druckproben gemeinsam mit acht blauen Wollstreifen absteigender Lichtechtheit in Xenon-Lichtkammern bestrahlt, deren Spektrum dem natürlichen Tageslicht nachempfunden ist. Ein Teil der Probe wird dabei abgedeckt; der Vergleich der Farbveränderung mit den Referenzstreifen ergibt die jeweilige Wollskala-Stufe. Die erreichbare Lichtechtheit hängt wesentlich von der Wahl der Pigmente, deren Konzentration und der aufgetragenen Schichtdicke ab, sowie vom UV-Anteil der Beleuchtung und den klimatischen Bedingungen wie Temperatur und Luftfeuchte.

Für den Etikettendruck ist die Lichtechtheit ein direkt produktionsrelevanter Parameter. Wasserbasierte Flexodruckfarben, die im Etikettenflexodruck weit verbreitet sind, erreichen typischerweise Wollskala-Stufen zwischen 4 und maximal 7. Hersteller und Druckereien entnehmen die Lichtechtheitsstufen den technischen Datenblättern und Farbdosen und treffen darauf basierend ihre Farbauswahl für den jeweiligen Anwendungsfall. Etiketten für stark beleuchtete Verkaufsregale, Außenanwendungen oder langlebige Kennzeichnungen wie Typen- oder Sicherheitsschilder erfordern Farben mit hohen Wollskala-Stufen, beispielsweise 6 bis 8. Für kurzlebige Anwendungen mit geringer Lichtexposition können niedrigere Stufen ausreichen. Wichtig zu verstehen ist, dass hohe Lichtechtheit nicht automatisch Outdoor-Tauglichkeit bedeutet: Im Außeneinsatz kommen zusätzlich Feuchtigkeit, Regen und chemische Einflüsse hinzu, die die Farbstabilität gesondert belasten und eigene Beständigkeitsanforderungen stellen. Für Käufer und Anwender von Etiketten bedeutet unzureichende Lichtechtheit konkret, dass Barcodes und Texte an Lesbarkeit verlieren, Sicherheitsinformationen verblassen oder Markenfarben sich sichtbar verändern können. Da grundsätzlich alle Druckfarben und auch Papiere unter Lichteinwirkung mehr oder weniger stark ausbleichen oder vergilben, muss die Lichtechtheit stets im Verhältnis zur geplanten Einsatzdauer und der zu erwartenden Lichtbelastung bewertet werden.