Metamerie bezeichnet in der Farblehre das Phänomen, dass zwei Farben oder Materialien unter einer bestimmten Lichtart identisch wirken, unter einer anderen Beleuchtung jedoch sichtbar voneinander abweichen. Technisch gesehen besitzen dabei zwei unterschiedlich zusammengesetzte Lichtspektren dieselbe Farbvalenz und erzeugen somit den gleichen Farbeindruck. Zwei solche Proben werden als metamer oder bedingt gleich bezeichnet, wenn sie zwar unter einer Referenzlichtart keine Farbabweichung zeigen, ihre spektralen Reflexionskurven sich jedoch unterscheiden.
Das Grundprinzip lässt sich messtechnisch präzise erfassen: Kreuzen sich die Spektralkurven zweier Proben mindestens dreimal, gelten sie als metameres Paar. Zur Quantifizierung dient der Metamerie-Index, der den Farbabstand zwischen einer Referenzlichtart und einer Testlichtart als ΔE-Wert ausdrückt – wobei stets die verwendeten Lichtarten sowie die zugrunde liegende Farbabstandsformel angegeben werden müssen. Die instrumentelle Grundlage bilden Spektralphotometer, die die spektrale Reflexion messen und Farbabweichungen unter verschiedenen Beleuchtungs- und Beobachterkombinationen berechnen. Ergänzend kommen Lichtkabinen zum Einsatz, in denen Etiketten visuell unter normierten Lichtarten wie D50, D65, TL84 oder dem Normlicht A geprüft werden. Die CIE definiert diese Normlichtarten sowie den Normbeobachter als Grundlage aller standardisierten Metameriebewertungen.
Für den Etikettendruck ist Metamerie ein zentrales Qualitätskriterium, das an mehreren Punkten der Produktionskette wirksam wird. Das Risiko steigt besonders dann, wenn identische Markenfarben auf unterschiedlichen Substraten wie Papier, Folie, Karton oder Kunststoff umgesetzt werden oder wenn verschiedene Druckverfahren – etwa Flexo, Offset, Siebdruck oder Digitaldruck – mit jeweils unterschiedlichen Pigmentkombinationen arbeiten. Dieselbe Farbwirkung im Andruck bedeutet nicht automatisch, dass Proof, Produktionsdruck und Kundenmuster auch unter dem Licht im Einzelhandel, im Lager oder beim Endanwender übereinstimmen. Für Markeninhaber kann dies zu sichtbaren Inkonsistenzen führen, wenn Etiketten, Verpackungen und Produktteile aus verschiedenen Quellen metamer unterschiedlich reagieren.
Druckereien und Etikettenhersteller begegnen diesem Risiko durch Mehrlicht-Abmusterungen als festen Bestandteil der Qualitätskontrolle, durch eine gezielte Farbrezeptierung mit möglichst geringer Metamerie auf den relevanten Substraten sowie durch die Berücksichtigung der Metamerie-Eigenschaften von Lieferantenmaterialien. Markeninhaber definieren in Freigabeprozessen neben Farbtoleranzen (ΔE) zunehmend auch Vorgaben zur Beurteilung unter mehreren Lichtarten und halten entsprechende Anforderungen in Standardarbeitsanweisungen entlang der Lieferkette fest. Metamerie ist damit kein seltener Sonderfall, sondern ein strukturelles Thema überall dort, wo Farbkonsistenz über Materialien, Verfahren und Beleuchtungssituationen hinweg gefordert wird.