Metamerie-Index

Der Metamerie-Index ist ein quantitatives Maß im Farbmanagement, das beschreibt, wie stark sich der Farbeindruck zweier zunächst farbgleich erscheinender Proben verändert, wenn die Beleuchtungsart wechselt. Technisch wird er als Farbabstand ΔE im CIE‑L*a*b*-Farbraum zwischen zwei Lichtarten berechnet. Je größer dieser ΔE-Wert ausfällt, desto stärker weichen die Farben unter verschiedenen Lichtquellen voneinander ab.

Die Grundlage für den Effekt ist die sogenannte Metamerie: Zwei Farben können unter einer bestimmten Lichtart identisch aussehen, obwohl ihre spektralen Reflexionskurven verschieden sind. Unter einer anderen Lichtart treten diese Unterschiede dann sichtbar hervor. Um den Metamerie-Index zu bestimmen, werden die spektralen Reflexionsdaten beider Proben mit einem Spektralphotometer gemessen und daraus die L*a*b*-Farbwerte unter mindestens zwei normierten Standardlichtarten berechnet – typischerweise D65 für Tageslicht und A für Glühlampenlicht, wie es DIN 6172 vorschreibt. Der Farbabstand ΔE unter der Testlichtart ergibt dann den Metamerie-Index. Damit der Wert eindeutig vergleichbar ist, müssen Referenzlichtart, Testlichtart, Beobachterwinkel (2° oder 10° nach CIE) und die verwendete Farbabstandsformel explizit angegeben werden. Viele Spektralphotometer und Auswertesoftwares berechnen diesen Index direkt nach DIN 6172.

Für den Etikettendruck ist der Metamerie-Index aus mehreren Gründen unmittelbar praxisrelevant. Etiketten werden in sehr unterschiedlichen Lichtumgebungen betrachtet: im Verkaufsregal unter Kunstlicht, im Lager unter Leuchtstofflampen und im Außenbereich bei Tageslicht. Wenn ein Etikett unter einer dieser Bedingungen farblich korrekt aussieht, unter einer anderen jedoch sichtbar abweicht, ist die Markenwiedererkennung gefährdet – oder im Fall gesetzlich vorgeschriebener Farbkennzeichnungen können sogar Anforderungen verfehlt werden. Ein niedriger Metamerie-Index, also ein kleines ΔE zwischen den betrachteten Lichtarten, signalisiert, dass die Etikettenfarbe unter verschiedenen Lichtquellen stabil bleibt. Als Orientierung gilt, dass ein ΔE von etwa 1,0 die Grenze markiert, ab der ein ungeübtes Auge einen Farbunterschied wahrnimmt; für geübte Beobachter liegt dieser Schwellenwert bei etwa 0,5. Im Digitaldruck, zu dem viele moderne Etikettendruckverfahren zählen, beeinflusst die Wahl der Pigmente und Farbstoffe maßgeblich, wie stark Metamerie auftritt. Druckereien und Etikettenproduzenten können mit dem Metamerie-Index gezielt bewerten, ob eine Pigmentkombination auf einem bestimmten Substrat die gewünschte Farbstabilität liefert. Einkäufer und Markenartikler wiederum können in Spezifikationen konkrete Grenzwerte für den Metamerie-Index festlegen, um sicherzustellen, dass Etiketten verschiedener Produktionschargen oder Druckstandorte unter allen relevanten Beleuchtungsbedingungen farblich konsistent wirken.