Nassleimetiketten – auch als Nassklebeetiketten, Leimetiketten oder schlicht Flaschenetiketten bezeichnet – sind nicht selbstklebende Papieretiketten, die erst unmittelbar vor dem Aufbringen auf das Produkt rückseitig mit einem wasserlöslichen Klebstoff bestrichen werden. Der entscheidende Unterschied zu haftklebenden Etiketten besteht darin, dass der Klebstoff nicht bereits auf dem Etikett vorhanden ist, sondern erst im Etikettierprozess aufgetragen wird.
Die Verarbeitung erfolgt in spezialisierten Nassleim-Etikettiermaschinen: Die vorgeschnittenen oder formgestanzten Etiketten werden in das Nassleimgerät eingelegt, durch die Maschine gezogen und dabei auf der Rückseite mit Etikettenleim bestrichen. Anschließend werden sie auf die jeweilige Verpackung aufgebracht, je nach Anlage automatisiert oder teilautomatisiert. Das Trägermaterial ist überwiegend Papier in verschiedenen Grammaturen und Qualitäten, darunter auch metallisierte Ausführungen. Gedruckt werden Nassleimetiketten im klassischen Bogen- oder Rollendruck und anschließend zugeschnitten beziehungsweise gestanzt. Da die Etiketten ohne aufgetragenen Kleber ausgeliefert werden, ist ihre Lagerfähigkeit entsprechend lang.
Für den Etikettendruck sind Nassleimetiketten aus mehreren Gründen von Bedeutung. Erstens zählen sie zu den häufigsten Etikettenarten überhaupt und sind besonders in der Getränke- und Lebensmittelindustrie weit verbreitet – klassische Anwendungsfelder sind die Etikettierung von Glasflaschen, Gläsern für Konfitüre und Feinkost sowie Dosen und Konserven. Zweitens gelten sie bei mittleren und hohen Auflagen als kosteneffiziente Lösung, da die Stückkosten im Vergleich zu selbstklebenden Etiketten geringer ausfallen können. Für Markeninhaber und Abfüller bedeutet das konkret: Der Einsatz setzt eine passende Maschineninfrastruktur voraus, bietet dafür aber wirtschaftliche Vorteile im Serienbetrieb. Drittens spielt der wasserlösliche Klebstoff eine zentrale Rolle in Reinigungs- und Recyclingprozessen. Die Etiketten lassen sich in Spülmaschinen in einem Stück ablösen und ermöglichen im Recyclingprozess eine rückstandsfreie Entfernung von der Verpackung – ein Aspekt, den Anbieter ausdrücklich als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft hervorheben. Für Anwendungen in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sind zudem entsprechende Lebensmittelkontakt- und Verpackungsvorschriften einzuhalten, weshalb die eingesetzten Klebstoffe und Papiere entsprechend zugelassen sein müssen. Wer Nassleimetiketten plant, muss also neben der Druckproduktion auch die maschinenseitige Verarbeitung und die materialspezifischen Zulassungsanforderungen frühzeitig in die Planung einbeziehen.