ONS (Object Name Service)

Der Object Name Service (ONS) ist ein verteilter Verzeichnisdienst innerhalb der EPC-/RFID-Infrastruktur von GS1 und EPCglobal. Er übernimmt die Aufgabe, eine Identifikationsnummer – etwa einen EPC (Electronic Product Code) oder eine GTIN (Global Trade Item Number) – über das Domain Name System (DNS) auf zugehörige Informationsdienste aufzulösen. Damit funktioniert ONS nach demselben Prinzip wie das klassische DNS, das Domainnamen in IP-Adressen übersetzt, jedoch mit dem Unterschied, dass hier Objekt-IDs als Schlüssel dienen.

Technisch wird eine Identifikationsnummer zunächst in einen DNS-konformen Domainnamen umgewandelt. Eine GTIN wie 00193575001333 wird dabei nach GS1-Regeln in eine rückwärts strukturierte Domain transformiert und anschließend im DNS abgefragt. Die Antwort des DNS-Servers besteht aus sogenannten NAPTR-Resource Records (Naming Authority Pointer), die auf Web-Services verweisen – zum Beispiel auf EPCIS-Dienste des Herstellers, die detaillierte Produkt- oder Chargeninformationen bereitstellen. Entscheidend ist, dass DNS-Zonen an einzelne Hersteller delegiert werden können, sodass kein zentrales System alle Informationen vorhalten muss. Der gesamte ONS-Lookup läuft automatisiert über einen ONS-Resolver ab, der als Middleware zwischen dem Lesegerät und dem DNS agiert.

Für den Etikettendruck selbst ist ONS kein Druckverfahren und beeinflusst weder die Wahl des Trägermaterials noch die eingesetzten Drucktechnologien wie Thermotransfer oder Digitaldruck. Der direkte Bezug zur Etikettenherstellung ergibt sich jedoch aus dem, was ein Etikett tragen muss, damit ONS überhaupt greift: Das Etikett muss entweder einen GS1-konformen Barcode oder ein RFID-Inlay mit einer EPC-Nummer enthalten. Erst diese Kennzeichnung nach GS1- oder EPCglobal-Standard macht das Etikett zum Ausgangspunkt eines ONS-Lookups. Für Etikettenhersteller und deren Kunden aus Industrie, Logistik und Handel bedeutet das konkret: Wer ONS-fähige Prozessketten aufbauen oder nutzen will, muss sicherstellen, dass die auf dem Etikett codierten Identifikationsnummern den GS1-Vergabe- und Formatierungsregeln entsprechen – unabhängig davon, ob diese als Strichcode aufgedruckt oder in ein RFID-Inlay geschrieben werden.

Der praktische Nutzen liegt in der Rückverfolgbarkeit und automatisierten Datenverknüpfung entlang der Lieferkette: Ein RFID-Reader oder Barcode-Scanner erfasst die auf dem Etikett codierte ID, der ONS-Resolver löst diese in Echtzeit auf zugehörige Informationsdienste auf, und so werden Tracking-, Tracing- und Bestandsprozesse effizienter gestaltet. Das Etikett ist dabei der physische Träger jener Identifikationsnummer, ohne die der gesamte ONS-Mechanismus nicht angestoßen werden kann.