RAL, Pantone und HKS sind standardisierte Farbsysteme, die Farbtöne eindeutig definieren und damit eine reproduzierbare Umsetzung im industriellen Druck, in Lackierungen und bei Beschichtungen ermöglichen. Jedes System arbeitet mit nummerierten Farbreferenzen, sogenannten Sonder- oder Volltonfarben, die vorab gemischt und systematisch normiert sind – im Unterschied zu Prozessfarben, die im Druck erst aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz zusammengesetzt werden.
Die drei Systeme unterscheiden sich in ihrem Ursprung und Einsatzbereich erheblich. Das Pantone Matching System (PMS) ist ein weltweit eingesetztes Sonderfarbsystem mit über 1.880 Volltonfarben, die aus 14 Basisfarben gemischt werden; sein Ziel ist die farbverbindliche, systemübergreifende Kommunikation von Druckfarben. HKS ist ein deutsches Sonderfarbsystem für den Offsetdruck mit 88 Basisfarben und insgesamt 3.520 Volltonfarben; es gilt als deutschlandweit gültige Richtnorm speziell für die Druckindustrie. RAL hingegen ist primär auf Industrielackierungen, Beschichtungen und Produktfarben ausgerichtet – etwa für Maschinen, Fahrzeuge oder Architekturanwendungen. Im Offsetdruck gibt es keine direkte RAL-Definition; wer Etikettenfarben an ein RAL-Produktumfeld anpassen muss, definiert den gewünschten Ton deshalb üblicherweise über eine äquivalente Pantone- oder HKS-Rezeptur.
Für den Etikettendruck sind diese Farbsysteme aus mehreren Gründen zentral. Sonderfarben nach Pantone oder HKS werden als zusätzliche Druckwerke neben CMYK eingesetzt, typischerweise als fünfte oder sechste Farbe in entsprechend ausgestatteten Offsetmaschinen. Ein reiner 4-Farb-CMYK-Drucker kann Volltonfarben nach HKS, Pantone oder RAL nicht farbgenau abbilden, da sein Farbraum dafür nicht ausreicht; bei ausschließlicher CMYK-Produktion sind Farbabweichungen unvermeidlich. Für Etiketten mit Markenlogos, Corporate-Farben oder Kennzeichnungsfunktionen – etwa auf Industrieprodukten, Verpackungen oder Geschäftsausstattung – ist die punktgenaue Reproduktion eines definierten Farbtons jedoch oft geschäftskritisch. Normierte Sonderfarben schaffen hier die Grundlage für eine farbverbindliche Produktion über verschiedene Druckereien und Maschinenparks hinweg. Der Rahmen dafür wird durch den ProzessStandard Offsetdruck (PSO) gesetzt, der mit der ISO-Norm 12647 identisch ist und standardisierte Verfahren von der Datenherstellung bis zum Druck beschreibt. Etikettenhersteller und -käufer profitieren davon, dass ein Pantone- oder HKS-Wert in der Druckspezifikation unmissverständlich kommuniziert, welcher Farbton erwartet wird – ohne Interpretationsspielraum zwischen Design, Einkauf und Produktion. Wer Etiketten für Industrieprodukte mit definierten RAL-Farben beschafft, sollte außerdem wissen, dass die Farbanpassung im Druck stets über eine Pantone- oder HKS-Entsprechung erfolgt, da RAL als Drucknorm im Offsetbereich nicht existiert.