Rasterwinkel

Der Rasterwinkel ist im Etikettendruck der in Grad angegebene Winkel, unter dem die regelmäßige Anordnung der Rasterpunkte einer Druckfarbe gegenüber der Senkrechten ausgerichtet ist. Er beschreibt damit die Richtung, in die das Punktmuster eines Farbauszugs im Druckbild gedreht ist, und ist ein zentrales Steuerungselement bei amplitudenmodulierten Rastern (AM-Rastern), bei denen die Punktanzahl pro Fläche konstant bleibt und sich nur die Punktgröße ändert.

Im Vierfarbdruck (CMYK) erhält jede Druckfarbe einen eigenen Rasterwinkel. Würden zwei oder mehr Farben unter demselben oder einem zu ähnlichen Winkel gerastert, entstehen durch die Überlagerung der Punktmuster störende Interferenzmuster, sogenannte Moiré-Effekte, sichtbare Rosetten und Farbdrift. Um dies zu vermeiden, werden die Winkel nach Norm deutlich voneinander abgesetzt. Die DIN 16547 legt für den vierfarbigen Offsetdruck konkrete Kombinationen fest, etwa Gelb 0°, Cyan 15°, Schwarz 45° und Magenta 75°. Die ISO 12647-2 schreibt zusätzlich vor, dass die visuell dominante Druckfarbe auf 45° liegen soll, da diagonale Rasterstrukturen vom menschlichen Auge am wenigsten wahrgenommen werden. Für einfarbige Motive, etwa schwarze Etiketten, wird der Raster deshalb standardmäßig auf 45° oder 135° gelegt. Frequenzmodulierte beziehungsweise stochastische Raster (FM-Raster) benötigen keine definierten Rasterwinkel, da ihre unregelmäßige Punktverteilung Moiré von vornherein verhindert.

Für den Etikettendruck ist der Rasterwinkel in mehreren Druckverfahren unmittelbar relevant. Im Offsetdruck und im Flexodruck, den beiden häufigsten Verfahren für Produkt- und Verpackungsetiketten, wird das Rasterwinkelschema bereits bei der Bebilderung der Druckplatten oder Flexoklischees über CTP-Systeme und RIP-Workflows festgelegt. Im Siebdruck muss der Rasterwinkel zusätzlich auf das Siebgewebe abgestimmt werden, beispielsweise durch eine Gewebedrehung um 7,5°, um Moiré zwischen Gewebe und Bildraster zu vermeiden. Für Hersteller von Etiketten bedeutet eine normgerechte Rasterwinkelung konkret: gleichmäßige Farbflächen, saubere Verläufe und eine stabile Reproduzierbarkeit über verschiedene Auflagen und Maschinen hinweg. Für Käufer und Anwender von Etiketten wirkt sich eine korrekte Rasterwinkelung direkt auf die visuelle Qualität aus – fehlerhafte Winkelkombinationen erzeugen sichtbare Streifen- oder Wellenmuster, die als Qualitätsmangel erkennbar sind und besonders bei bildintensiven Etiketten für Lebensmittel oder Kosmetik sowie bei der Lesbarkeit von Barcodes und Kleinschrift erheblich stören können.