REACH

REACH steht für „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“ – auf Deutsch: Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Es handelt sich um die zentrale EU-Chemikalienverordnung, die grundsätzlich für alle chemischen Stoffe gilt, die in der Europäischen Union hergestellt oder in Verkehr gebracht werden, und die damit branchenübergreifend Auswirkungen auf die meisten Unternehmen hat.

Im Etikettendruck ist REACH kein Druckverfahren, sondern der verbindliche rechtliche Rahmen für sämtliche chemischen Stoffe, die in Etikettenmaterialien und Verbrauchsmaterialien enthalten sind. Betroffen sind Kunststofffolien und Papiere als Etikettenträger, Klebstoffe und Haftkleber, Druckfarben, Lacke und Beschichtungen sowie Thermotransfer-Farbbänder. Für sogenannte besorgniserregende Stoffe – im Englischen als SVHC (Substances of Very High Concern) bezeichnet – sieht REACH eine besondere Informationspflicht entlang der Lieferkette vor: Sind solche Stoffe in einem Erzeugnis in einer Konzentration von mehr als 0,1 Gewichts-% enthalten, müssen diese Informationen an die nächste Stufe der Lieferkette weitergegeben werden.

Für den Etikettendruck ergibt sich daraus eine doppelte Relevanz. Hersteller von Etikettenmaterialien, Klebstoffen und Druckfarben sind verpflichtet, alle eingesetzten chemischen Stoffe nach REACH zu registrieren, Beschränkungen einzuhalten und bei Überschreitung der 0,1-Gewichts-%-Schwelle aktiv zu informieren. Anwender und Käufer von Etikettenlösungen wiederum haben das Recht, von ihren Lieferanten entsprechende Auskünfte über enthaltene SVHC einzufordern. Dies betrifft nicht nur die Etiketten selbst, sondern auch Tinten und Farbbänder, wie sie etwa im Thermotransferdruck oder bei industriellen Kennzeichnungssystemen für Produkte, Kartonagen und Paletten eingesetzt werden. In der Praxis wird REACH häufig gemeinsam mit der RoHS-Richtlinie betrachtet: Obwohl Etiketten nicht direkt unter RoHS fallen, können ihre Ausgangsmaterialien zum Gesamtgehalt an regulierten Stoffen eines Endprodukts – etwa eines Elektro- oder Elektronikgeräts – beitragen. Wer Etiketten auf RoHS-pflichtigen Produkten einsetzt, muss daher auch die chemische Zusammensetzung der Etikettenmaterialien im Blick behalten.

Für Einkäufer und Produktverantwortliche bedeutet REACH-Konformität bei Etiketten konkret: Sie müssen sicherstellen, dass alle eingesetzten Materialien die Anforderungen der Verordnung erfüllen, und von ihren Lieferanten die entsprechenden Nachweise einfordern können.