Reaktivierung bezeichnet im Klebstoffbereich den Vorgang, bei dem ein bereits getrockneter und zunächst nicht oder nur gering klebriger Klebstoff durch den gezielten Einsatz von Lösemittel oder Wärme wieder in einen haftfähigen Zustand versetzt wird. Man unterscheidet dabei zwei Varianten: Bei der Lösemittelreaktivierung wird die trockene Klebstoffschicht mit einem geeigneten Lösemittel angefeuchtet, woraufhin sie erneut klebrig wird. Bei der Hitzereaktivierung erfolgt die Aktivierung unmittelbar vor dem Klebevorgang durch Erwärmung.
Technisch basieren reaktivierbare Systeme häufig auf physikalisch abbindenden Klebstoffen, bei denen gelöste Kunststoffe oder Kautschuke durch Verdunsten eines Lösemittels trocknen. Typische Lösemittel in solchen Systemen sind Isopropanol, Ethylacetat oder Toluol. Nach der Trocknung liegt der Klebstoff inaktiv auf dem Trägermaterial vor. Wird er mit einem geeigneten Lösemittel erneut benetzt, mobilisiert sich die Klebstoffoberfläche und bildet wieder eine haftende Schicht. Bei hitzereaktivierbaren Varianten erfolgt dieser Schritt stattdessen über eine gezielte Erwärmung, beispielsweise durch Heizmodule, Heißluft oder Heizplatten, gefolgt von einem Andruckvorgang auf das Substrat. In der Verarbeitungspraxis sind für lösemittelbasierte Systeme technische Lüftungsmaßnahmen, die Absaugung von Klebstoffbehältern sowie die Einhaltung von Grenzwerten für Lösemitteldämpfe gemäß den Vorgaben der Berufsgenossenschaft vorgeschrieben. Persönliche Schutzausrüstung wie Schutzhandschuhe und gegebenenfalls Schutzbrillen sind verbindlich zu tragen.
Für den Etikettendruck ist die Reaktivierung aus mehreren Gründen praxisrelevant. Etiketten mit reaktivierbarem Klebstoff können vorbeschichtet produziert, gelagert und transportiert werden, ohne während dieser Phasen ungewollt zu haften. Erst unmittelbar vor der Applikation auf das Produkt wird die Klebkraft durch Lösemittel oder Wärme aktiviert. Das ist besonders vorteilhaft in industriellen Kennzeichnungsanwendungen, bei denen hohe thermische oder chemische Belastungen auftreten, da lösemittelbasierte Haftklebstoffe oft eine ausgeprägte Beständigkeit gegenüber Wasser, Hitze und Chemikalien bieten. Etikettiersysteme für hitzereaktivierbare Klebstoffe müssen entsprechende Heizmodule und eine zuverlässige Temperaturregelung integrieren, während lösemittelreaktivierte Systeme eine kontrollierte Lösemitteldosierung sowie Explosionsschutzmaßnahmen am Verarbeitungsort erfordern. Für Etikettenhersteller beeinflusst die Wahl eines reaktivierbaren Klebstoffsystems sowohl die Anlagenauslegung als auch die Betriebskosten und den Schulungsbedarf. Für Etikettenanwender bedeutet es, dass die vorgesehenen Aktivierungsbedingungen prozesssicher eingehalten werden müssen, um die spezifizierte Haftleistung auf dem Zielsubstrat tatsächlich zu erreichen.