Die Reinzeichnung ist eine technisch geprüfte, reproduktionsfähige Druckvorlage – heute in der Regel eine digitale Datei –, die sämtliche Anforderungen für die Druckproduktion erfüllt und ohne weitere Änderungen in der Druckerei verarbeitet werden kann. Sie bildet den abschließenden Bearbeitungsschritt in der Druckvorstufe und steht am Ende des Gestaltungsprozesses, nach Scribble und Entwurf. Der Begriff bezeichnet dabei sowohl den Aufbereitungsprozess als auch das Ergebnis: die fertige, druckfähige Datei.
In der Praxis wird ein bestehendes Layout – erstellt etwa in Adobe Illustrator, InDesign oder Photoshop – in der Reinzeichnungsphase drucktechnisch aufbereitet und geprüft. Dabei werden das Seitenformat und Endformat festgelegt, Beschnittzugaben und Sicherheitsabstände definiert sowie Bildauflösung und Rasterung kontrolliert. Der Farbmodus wird auf die Anforderungen des jeweiligen Druckverfahrens abgestimmt, also etwa CMYK für Prozessfarben oder separate Sonderfarbkanäle für Pantone-Töne. Schriften werden eingebettet oder in Pfade umgewandelt, um Darstellungsfehler zu vermeiden. Trapping-Einstellungen gleichen mögliche Passerdifferenzen beim späteren Druck aus. Die so entstehende Reinzeichnung dient als verbindliche Grundlage für die Herstellung der Druckform – ob für Offsetdruck, Flexodruck, Tiefdruck oder Digitaldruck.
Für den Etikettendruck ist die Reinzeichnung ein zentraler Arbeitsschritt mit unmittelbaren Konsequenzen für das Druckergebnis. Die Stanzkontur eines Etiketts muss exakt definiert und in einer separaten Ebene oder Sonderfarbe ausgezeichnet sein, damit die spätere Schnittführung präzise erfolgt. Der Beschnitt rund um das Etikett verhindert weiße Blitzer an der Kante, wenn das Material minimal versetzt geschnitten wird. Farbdefinitionen für Prozess- und Sonderfarben – etwa Metallic-Töne oder Lackflächen – werden als eigene Kanäle angelegt, was bei der Produktion von Etiketten auf Folie, Karton oder Spezialsubstraten besonders relevant ist. Barcode-Grafiken werden auf ausreichende Größe und korrekte Ruhezonen geprüft, da fehlerhafte Barcodes im späteren Einsatz zu Leseproblemen führen. Auch gesetzlich vorgeschriebene Inhalte wie Gefahrstoffpiktogramme oder Pflichtangaben werden in dieser Phase final kontrolliert und normgerecht eingebaut.
Für Auftraggeber bedeutet eine fachgerecht erstellte Reinzeichnung, dass das gedruckte Etikett dem freigegebenen Entwurf entspricht und kostspielige Korrekturschleifen oder Fehldrucke vermieden werden. Für die Druckerei liefert sie eine verlässliche, sofort verarbeitbare Eingangsgröße für alle nachgelagerten Produktionsschritte – von der Plattenbelichtung bis zur Veredelung.